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Autorin: Susanne Kowalski | 14.09.2022

Löhne und Gehälter: Steigender Mindestlohn und damit verbundene Änderungen im Herbst

Zum 1. Oktober 2022 steigt der Mindestlohn auf 12 Euro je Zeitstunde. Um Probleme beim Stundenvolumen zu vermeiden, werden gleichzeitig Entgeltgrenzen angehoben. Der „450 Euro-Job“ wird zum „520 Euro-Job“. Das wiederum hat Einfluss auf den sogenannten Übergangsbereich, der zum Herbst dann bei 520,01 Euro beginnt und bei 1.600 Euro endet, statt wie zuvor bei 1.300 Euro.
Bild: Corbis

Aus dem Vereinsalltag

Ein Golfclub hat Mitarbeiterverträge im Bereich der Minijobs, Midi-Jobs und „normalen“ Beschäftigungsverhältnisse. Durch die Verschiebung von Einkommensgrenzen ab Oktober 2022 könnte es unter Umständen zu einer Umgruppierung kommen, wobei der Gleitzonenbeschäftigte beispielsweise zum Minijobber werden würde oder ein herkömmliches Beschäftigungsverhältnis in den Übergangsbereich rutscht.

Aus diesem Grund geht der Clubmanager alle Mitarbeiter durch, deren Einkommen unterhalb der Grenze von 1.600 Euro liegt und die mit einem Stundenlohn von weniger als 12 Euro abgerechnet werden. Er will überprüfen, ob es möglicherweise zu einer Änderung des Beschäftigtenstatus kommt.

 

 

HÄUFIGE PROBLEME

Finanzielle Belastung

Die Erhöhung des Mindestlohns hat Auswirkungen auf die Lohn- und Gehaltszahlungen sowie Pauschalen und Sozialversicherungsbeiträge.

Umgruppierung

Durch die Verschiebung der Einkommensgrenzen kann es bei einzelnen Beschäftigten unter Umständen zu Änderungen der Abrechnungsmodalitäten kommen, was wiederum die Sozialversicherungsbeiträge beeinflusst.

Dokumentationspflicht

Für geringfügig Beschäftigte gilt nach § 17 des Mindestlohngesetzes eine Dokumentationspflicht der Arbeitszeiten. Festzuhalten sind für jeden Arbeitstag Beginn und Ende der Arbeitszeit sowie die Anzahl der Stunden abzüglich der Pausenzeiten.

Fristen

Die Arbeitszeit muss mindestens eine Woche nach der Leistungserbringung dokumentiert sein. Die Unterlagen sind mindestens zwei Jahre aufzubewahren.

 

Heraufsetzen der Minijob-Grenze auf 520 Euro

Mit der Erhöhung des Mindestlohns ist das Anheben der Minijob- Grenze verbunden. Zum 01.10.2022 wird die Minijob-Grenze von monatlich 450 Euro auf monatlich 520 Euro steigen. Ohne diese Anhebung würde sich das Stundenvolumen der Minijobber deutlich reduzieren und den Arbeitgebern unter Umständen Probleme bereiten. Mit der neuen Grenze ist künftig für Minijobber von einer Wochenarbeitszeit von zehn Stunden zu Mindestlohnbedingungen auszugehen.

Dabei wird zugrunde gelegt, dass der Monat in der Regel mehr als 20 Arbeitstage und somit mehr als 4 Wochen umfasst (520 Euro / 12 Euro entspricht 43,33 Stunden).

Beispiel: Eine Reinigungskraft arbeitet wöchentlich acht Stunden. Sie hat derzeit einen Stundenlohn von 11 Euro. Ab Oktober bekommt sie einen Euro mehr und bleibt weiterhin in der Gruppe der Minijobbenden.

 

Hinweis: In die Rubrik Minijob fällt eine Beschäftigung, wenn sie regelmäßig ausgeübt wird und das regelmäßige monatliche Arbeitsentgelt von bislang 450 Euro (ab Oktober 2022: 520 Euro) nicht übersteigt.

 

Bestandsschutz beim Minijob

Das Aufstocken der Minijob-Grenze auf 520 Euro kann unter Umständen dazu führen, dass Mitarbeitende anstelle einer Beschäftigung im Übergangsbereich künftig als Minijobber abgerechnet würden.

Beispiel: Die Clubsekretärin arbeitet an zwei Vormittagen in der Woche jeweils vier Stunden und erhält dafür monatlich 500 Euro. Sie liegt damit über der Mindestlohngrenze. Das Beschäftigungsverhältnis ist damit im September im Übergangsbereich und sozialversicherungspflichtig, ab dem 01.10.2022 wäre dies ein Minijob.

In diesem Fall greift jedoch eine Ausnahmeregelung, hier gilt für die Beschäftigten, die vor der Anhebung der Minijob-Grenze versicherungspflichtig waren, ein sogenannter Bestandsschutz. Das heißt, bis zum 31.12.2023 bleibt der Versicherungsschutz in der Kranken- und Pflegeversicherung bestehen.

 

Zeitüberschreitung beim Minijob

Im Arbeitsalltag kann es zu unvorhersehbaren Überschreitungen der Arbeitszeit kommen. Ein gelegentliches unvorhersehbares Überschreiten ist Minijobbern bis zu zwei Kalendermonaten innerhalb eines Zeitjahres erlaubt.

Die Überschreitung darf maximal 520 Euro monatlich betragen. Das hat Auswirkungen auf den maximalen Jahresverdienst. Er darf dem 14-fachen der monatlichen Minijob- Grenze entsprechen. Das heißt, in einem begründeten Ausnahmefall dürfen Minijob-Ende bis zu 7.280 Euro im Jahr verdienen (Quelle: www.minijob-zentrale.de).

Achtung: Bei vorgezogenen Altersrenten wird die Hinzuverdienstgrenze im Jahr 2023 voraussichtlich bei 6.300 Euro jährlich liegen.

 

Auswirkungen auf die pauschale Abgabe beim Minijob

Minijob-Beschäftigungsverhältnisse unterliegen besonderen Regelungen im Hinblick auf Sozialversicherungspflicht und Steuerrecht. Der Arbeitgeber muss die pauschalen Beiträge in Höhe von 30 % allein tragen. Hinzu kommen Umlagen zum Ausgleich der Arbeitgeberaufwendungen bei Krankheit und Mutterschaft.

Beispiel: Bei einer zehnstündigen Beschäftigung eines Minijobbers zum Mindestlohn lag das Einkommen bis September 2022 bei rund 450 Euro, die Pauschale bei 135 Euro. Das monatliche Einkommen wird ab Oktober bei circa 520 Euro liegen, pauschal sind hierfür 156 Euro abzuführen. Die Personalkosten erhöhen sich somit insgesamt um 91 Euro.

 

Auswirkungen im Übergangsbereich

Wird der durchschnittliche Monatsverdienst der Minijob-Grenze überschritten, liegt kein Minijob mehr vor. Ausgenommen hiervon sind, wie bereits erläutert, gelegentliche nicht vorhersehbare Überschreitungen.

Ab einem Durchschnittsverdienst von 450,01 Euro (bis einschließlich September 2022) bzw. 520,01 Euro (ab dem 01.10.2022) gibt es ansonsten den Übergangsbereich, auch als Gleitzone bezeichnet. Dieser Übergangsbereich endet bis einschließlich September 2022 bei 1.300 Euro monatlich und wird ab dem 01.10.2022 bei 1.600 Euro liegen.

Hinweis: Durch die Einführung des Übergangbereichs wird verhindert, dass mit Überschreiten der Grenze von 520 Euro (vormals 450 Euro) die Versicherungsbeiträge für den Arbeitnehmer plötzlich extrem steigen.

Beispiele:

Ein Greenkeeper wird 15 Stunden pro Woche zum Mindestlohn beschäftigt. Im September liegt das durchschnittliche Monatseinkommen bei 705 Euro, ab Oktober bei 810 Euro. Der Beschäftigte bleibt damit weiterhin als Midi-Jobber im sogenannten Übergangsbereich.

Ein Anlagenwart in Teilzeit, derzeitiger Stundenlohn 10,45 Euro, erhält bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 30 Stunden im Durchschnitt monatlich knapp 1.360 Euro. Damit liegt derzeit ein herkömmliches Beschäftigungsverhältnis vor. Wenn ab Oktober 12 Euro bezahlt werden, steigt sein durchschnittliches Einkommen auf rund 1.560 Euro. Damit fällt er in den Übergangsbereich, sodass in Zukunft neue Abrechnungskriterien zu berücksichtigen sind.

Die Teilzeitkraft in der Vereinsbuchhaltung hat einen Stundenlohn von 16 Euro und arbeitet 20 Stunden wöchentlich. Sie wird von der Erhöhung des Mindestlohns nicht profitieren. Der monatliche Verdienst entspricht 1.380 Euro und wird künftig im Übergangsbereich eingeordnet.

 

Auswirkungen auf die Sozialversicherung in der Gleitzone

Durch die Anhebung der Grenze im Übergangsbereich von 1.300 Euro auf 1.600 Euro steigt für Arbeitgeber der Beitragsanteil an der Sozialversicherung. Beschäftigte in diesem Lohnsegment profitieren hingegen. Wie die vorangegangenen Beispiele zeigen, wird sich unter Umständen für den Verein als Arbeitgeber der Anteil der Beschäftigten im Übergangsbereich erhöhen.

Berechnungsgrundlage für Midi-Jobbende hinsichtlich Steuern und Sozialversicherung ist wie bei „normalen“ Beschäftigungsverhältnissen der Bruttoverdienst des Arbeitnehmers. Für Arbeitsentgelte innerhalb der Gleitzone werden für die Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung die Beiträge mithilfe einer sehr komplexen Formel ermittelt, die jährlich vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales bekanntgegeben wird.

Hinweis: Um die Abgaben an die Sozialversicherung für Beschäftigte im Übergangsbereich möglichst niedrig zu halten, geht man von einer fiktiven Bemessungsgrundlage aus, das heißt, es wird nicht das tatsächlich erzielte Bruttoeinkommen zugrunde gelegt, vielmehr wird das Einkommen rechnerisch „reduziert“.

Beispiel: Eine Teilzeitkraft, wohnhaft in Nordrhein-Westfalen, verheiratet, Lohnsteuerklasse 5, keine Kinder, Zuschlagssatz zur Krankenversicherung 1,3 %, hat ein Bruttoeinkommen von 1.380 Euro. Vor dem 01.10.2022 lag das Einkommen nicht im Übergangsbereich.

Im September 2022 muss der Arbeitgeber rund 276 Euro an die Sozialversicherung abführen, im Folgemonat sind es rund 8 Euro mehr. Für die Teilzeitkraft sinkt entsprechend ab Oktober der abzuführende Beitrag.