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Autor: Stefan Wagner | 02.09.2022

Kann ein Arbeitsvertrag mit einem sportlichen Leiter/Sportdirektor befristet werden?

Kernaussage der Entscheidung: Der Arbeitsvertrag mit einem sportlichen Leiter/Sportdirektor kann nicht mit dem Argument des sogenannten Verschleißtatbestandes nach § 14 Abs. 1 Nr. 4 Teilzeitbefristungsgesetz (TzBfG) befristet werden.
Bild: Mauritius

Um was geht es in diesem Fall?

Ein Verein hatte den Arbeitsvertrag mit einem sportlichen Leiter befristet. Streitig war im Verfahren, ob für die Befristung ein sachlicher Grund nach § 14 Abs. 1 TzBfG vorlag.

Der Verein berief sich auf die Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts (BAG) wegen der Eigenart der Arbeitsleistung und des Verschleißtatbestands, wie im Profisport bekannt und angewendet. Der Verein begründete den Verschleiß des sportlichen Leiters mit der Motivation der zu betreuenden Mannschaften.

Wie ist die Rechtslage?

Das ArbG erteilte der Auffassung des Vereins eine klare Absage. Ein ausreichender Befristungsgrund, wie vom Verein vorgetragen, lag nicht vor, sodass die Befristung unwirksam war und ein unbefristeter Vertrag bestand.

 

Grundsätzlich: Verschleißtatbestand als Befristungsgrund

Das BAG hat zu § 14 Abs. 1 Nr. 4 TzBfG den sogenannten Verschleißtatbestand als Befristungsgrund anerkannt. Dieser setzt voraus, dass ein vertragstypischer, das übliche Maß deutlich übersteigender Verschleiß in der Person, z. B. des Trainers, vorliegt.

Der allgemeine Verschleiß durch längeres Ausüben desselben Berufs ist dagegen kein Sachgrund für eine Befristung.

Kann der „Verschleißtatbestand“ auch auf einen sportlichen Leiter angewendet werden?

Das ArbG vertrat die Auffassung, dass sich die Gründe für das Vorliegen eines Verschleißtatbestandes nicht auf das Arbeitsverhältnis eines sportlichen Leiters übertragen lassen, da keine vergleichbaren Gründe wie beispielsweise bei einem Leistungssportler oder Trainer vorliegen. Ein sportlicher Leiter ist nicht mit der Situation und der Belastung eines Sportlers oder Spielers vergleichbar.

Ein sportlicher Leiter ist nach Auffassung des Gerichts viel mehr eine personalverantwortliche Führungskraft des Vereins und hat damit ein gänzlich anderes Aufgaben- und Tätigkeitsgebiet, sodass sich die Grundsätze und Argumente des BAG hier nicht übertragen lassen.

Hinweis für die Vorstandsarbeit

Der vorliegende Fall des ArbG ist die erste Entscheidung im Sport zu einem sogenannten sportlichen Leiter. Das Gericht hat die Anwendbarkeit des Befristungsgrundes mit guten Gründen abgelehnt.

Die bekannte Rechtsprechung des BAG zum Verschleißtatbestand bei Leistungssportlern und Trainern ist in diesen Fällen nicht anwendbar, sodass mit diesem Argument Arbeitsverträge mit solchen Gründen nicht befristet werden können.

MERKE

In diesem Zusammenhang sei noch darauf hingewiesen, dass befristete Arbeitsverträge nach § 14 Abs. 4 TzBfG wirksam nur schriftlich abgeschlossen werden können. Dies ist eine gesetzliche Ausnahme zur ansonsten geltenden Formfreiheit bei Verträgen im Arbeitsrecht.

 

Fundstelle: Arbeitsgericht (ArbG) Hannover, Urteil vom 15.01.2020, Az.: 9 CA 182/19