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Autorin: Susanne Kowalski | 09.06.2022

Auswirkungen der Inflation auf das Vereinsleben

Aktuell haben Vereine neben der noch nicht überstandenen Corona-Pandemie mit weiteren Herausforderungen zu kämpfen. Die Preise steigen zurzeit stark, der Mindestlohn wird im Oktober 2022 heraufgesetzt. Der Ukraine-Krieg heizt die Situation zusätzlich an, zum Teil werden Produkte knapp. Unter dem Strich ist das nicht nur für Verbraucher, sondern auch für Vereine mit höheren Ausgaben verbunden. Kurz, das Leben wir teurer.
Bild: Getty Images

Aus dem Vereinsalltag

Steffen P. musste am Morgen für seine Brötchen vier Cent mehr zahlen. Dabei hatte der Bäcker erst vor rund einem halben Jahr die Preise angehoben. Das Mineralwasser eines führenden Discounters kostet jetzt statt 19 Cent 6 Cent mehr, also 25 Cent pro Flasche. Das entspricht einer Steigerung von 31,6 %.

Besondere Sorgen bereiten ihm die Benzinpreise. Vor zwei Jahren konnte er seinen Kleinwagen für rund 45 Euro volltanken, gestern belief sich die Tankrechnung auf rund 100 Euro. Nicht nur Verbraucher, auch Vereine müssen künftig mit deutlich höheren Ausgaben rechnen. Das trifft nicht nur Einkäufe für Veranstaltungen und Fahrten, sondern zieht sich durch verschiedene Sparten.

 

 

HÄUFIGE PROBLEME

Orientierungsgrundlage

Bei der Berechnung zukünftiger Preise orientiert man sich häufig an der allgemeinen Inflationsrate. Hier bedarf es einer genaueren Analyse, wo genau der Verein von Preisanhebungen in welchem Umfang betroffen ist, da die Teuerungsraten von Ware zu Ware und Leistung zu Leistung sehr unterschiedlich sind.

Begrenzte Weitergabemöglichkeiten

Eine wichtige Einnahmequelle für Vereine sind Mitgliedsbeiträge, die man nur heraufsetzen kann, wenn der überwiegende Teil der Mitglieder dem zustimmt. Selbst wenn das gelingt, ist unter Umständen mit Mitgliederabgängen infolge von Kündigungen zu rechnen.

Künftige Investitionen

Wie sich die Preise für zukünftige Investitionen entwickeln, kann man nicht sicher prognostizieren.

 

Steigende Preise

Die Preise steigen wie zuletzt in den 90er-Jahren. Besonders betroffen ist der Energiebereich. Gas und Öl gehören zu den Haupttreibern der Inflation, jedoch auch Rohstoffe, Lebensmittel und vieles mehr werden teurer. Außerdem ist im Herbst eine deutliche Erhöhung des Mindestlohns geplant, die sich, zumindest teilweise, auf das Preisniveau auswirken wird. Die Inflation schwächt die Kaufkraft, weil man für einen Euro weniger kaufen kann als zuvor. Im Webangebot des Statistischen Bundesamtes wurden für Februar 2022 folgende Teuerungsraten angegeben (Quelle: www.destatis.de):

  • Inflationsrate + 5,1 %
  • Verbraucherpreise Energie + 22,5 %
  • Verbraucherpreise Nahrungsmittel + 5,3 %.

Im Rahmen des Ukraine-Kriegs sind unter anderem Kraftstoffe noch einmal deutlich teurer geworden.

Die allgemeine Inflationsrate bietet derzeit lediglich eine grobe Orientierungsmarke, da sie nicht auf alle Verbraucher, Vereine und Unternehmen gleichermaßen zutrifft.

Verschiedene  Medien berichten, dass Experten eine weitere Preissteigerung durchaus für möglich halten.

 

Auswirkungen auf Vereine

Welche Vereine von der Inflation wie und in welchem Ausmaß betroffen sind, kann man nicht pauschal beantworten, das hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, beispielsweise über welche Einnahmequellen der Verein verfügt. Während Unternehmer aufgrund der Inflation ihrerseits die Preise anheben, können Vereine die Mitgliedsbeiträge nicht einfach ad hoc erhöhen.

Werden regelmäßig Kurse oder Seminare angeboten oder Fanartikel verkauft, gibt es zumindest Ansatzmöglichkeiten, höhere Einnahmen zu generieren, sofern der Markt dies hergibt.

Eine entscheidende Rolle spielt zudem, welche Ausgaben der Verein zu stemmen hat und wie sich die Preise in den jeweiligen Ausgabenkategorien entwickeln. Muss zum Beispiel ein Musikverein in den Wintermonaten schlecht isolierte Räumlichkeiten heizen oder sind die Ausgaben für Sprit hoch?

Investitionen und Kredite

Im Zusammenhang mit der Inflation stellt sich unter anderem die Frage nach künftigen Investitionen. Kann sich der Verein Neuanschaffungen in den kommenden Jahren überhaupt noch leisten? Sind hingegen die Rücklagen hoch, stellt sich die Frage, gegebenenfalls später geplante Investitionen vorzuziehen, zum einen, um diese zu noch “relativ" moderaten Konditionen tätigen zu können und zum anderen, um einer Geldentwertung bei keinen oder niedrigen Zinserträgen vorzubeugen. Gegebenenfalls könnte man von einer günstigen Restfinanzierung profitieren, denn noch sind die Zinsen niedrig. Für Vereine mit hohen Kreditverbindlichkeiten kann sich die Inflation unter Umständen sogar positiv auswirken, denn wenn die Inflationsrate höher als der Zins ist, schmelzen die Schulden, vorausgesetzt die Inflation hält über einen längeren Zeitraum an und es sind Mittel vorhanden, um den Kredit bedienen zu können.