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Autor: Prof. Ronald Wadsack | 17.03.2021

Verein: Förderung – Legitimation – ein Blick in die Zukunft

Die gesellschaftlichen Bedingungen ändern sich. Die Menschen haben vielfältige Möglichkeiten, ihre Freizeit zu gestalten. Und gerade durch Angebote über das Internet kommen immer neue Optionen hinzu. Wo hat da der Verein seinen Stellenwert? Mit welchen Themen ist ein Mehrwert für die Gesellschaft verbunden? Die klassischen Vereinsangebote von Sport über Kultur bis hin zu Hilfsaktivitäten für Menschen befinden sich im Wandel.
Bild: Getty Images

Andere Angebote und andere Formate für bekannte Angebote dringen in den Vordergrund, teils auch mit kommerziellen Interessen verbunden. Wie kann ein Verein da bestehen, wo liegen seine Besonderheiten? Die Frage ist weniger bei den Feuerwehren und anderen direkt Leben rettenden Vereinen relevant. Jeder andere Verein muss sich aber dieser Frage stellen, um damit auch künftig gute Gründe für eine öffentliche Förderung zu bieten.

 

Ausgangspunkt: Gemeinnützigkeit

Die Gemeinnützigkeit ist zunächst einmal eine steuerliche Vorschrift, nach der Vereinen bestimmte Vorteile eingeräumt werden, wenn sie sich in einem in der Abgabenordnung (§ 52) vorgegebenen Rahmen bewegen. Dort finden sich Hinweise auf Tätigkeitsbereiche und solche Aspekte wie die Selbstlosigkeit der Arbeit und die Ausrichtung auf die Allgemeinheit.

Der Grundgedanke beruht darauf, dass wichtige Angebote für die Gesellschaft über den Verein aus eigener Kraft der interessierten Menschen ins Leben gerufen und vorangebracht werden. Der Staat wird damit entlastet und die Menschen ermächtigt, ihre Geschicke zur Gestaltung von Gesellschaft in die eigenen Hände zu nehmen.

Die Rolle des unentgeltlichen Engagements ist dabei nicht zu unterschätzen, wobei die Erfahrungen der letzten Jahre immer wieder zeigen, dass es nicht so einfach ist, immer wieder neue engagierte Menschen zu finden oder auch vorhandene Engagierte an den Verein zu binden. Auch hier kann es helfen, die gesellschaftliche Rolle des jeweiligen Vereins konkreter zu fassen.

Die eingeräumte Gemeinnützigkeit ist eine gute Unterstützung, sie sagt aber sehr wenig zu der realen Rolle des einzelnen Vereins in seiner Umgebung aus. Sowohl gegenüber den Menschen im Umfeld des Vereins als auch zum Beispiel gegenüber politischen und unternehmerischen Entscheidern, wenn es um Fördermaßnahmen geht.

 

Orientierungspunkte für die Vereinsarbeit

Um Mitglieder oder andere Partner des Vereins zu überzeugen, muss ein konkreter Bezug zum direkten Lebensumfeld des Vereins hergestellt werden. Der Ruf nach einer Legitimation von Förderung wird immer wieder deutlich, also die Frage nach dem Beitrag zur Verbesserung der gesellschaftlichen Situation.

Es ist wenig aussagestark, wenn man allgemein auf das Handlungsfeld des Vereins, wie Gesang, soziale Arbeit für ältere Menschen oder Sport verweist. Überzeugend für Menschen im Vereinsgebiet ist es, wenn die direkten Bezüge aufgezeigt werden. Sei es für neue Mitglieder, vorhandene Mitglieder, dass es sich lohnt, im Verein weiter mitzumachen, oder für Unterstützer aus verschiedenen Organisationen.

Es ist keine einfache Aufgabe, eine solche Darstellung zu leisten. Zumal ja auch eine mehrseitige Abhandlung wenig hilft, da sie wenig Aufmerksamkeit erlangen wird. Es geht also einerseits um die Inhalte und andererseits um die Darstellungsform.

Sucht man nach Orientierungspunkten, so landet man schnell bei dem Gemeinwohl und der Daseinsvorsorge als wichtigen Orientierungen für die Gestaltung von gesellschaftlichem Leben.

Diese Begriffe sind nicht einfach zu verarbeiten und für die Begründung eines Vereins nutzbar zu machen. Hinzu kommt, dass die Spanne der Tätigkeitsfelder von Vereinen immens ist, mal richtet es sich in erster Linie auf die eigenen Mitglieder, mal steht die Leistungserbringung für spezielle Zielgruppen im Mittelpunkt.

Oder es geht um die Pflege spezieller Themen wie Kultur oder Tradition.

 

Daseinsvorsorge als Ausgangspunkt

Selbst dieser Begriff ist nicht einfach zu klären. Schnell kommen rechtliche Aspekte wie Grundrechte und andere Aspekte in den Blick.

Letztendlich kann man aber auch sagen, dass es darum geht, die Bedienung der menschlichen Grundbedürfnisse zu sichern beziehungsweise zu unterstützen.

Damit wird eine Zielrichtung schon etwas klarer, wobei aber auch ein Wandel dieser Grundbedürfnisse zu beachten ist.

Heutzutage wird durchaus auch der Zugang zum Internet als ein Element der Daseinsvorsorge betrachtet, spielt dieses technische Instrument doch heute eine enorme Rolle in Bezug auf die Teilhabemöglichkeiten des Menschen an gesellschaftlichem Geschehen.

Insofern müsste zum Beispiel ein Verein, der die Verbesserung der WLAN-Versorgung in einer strukturschwachen Region zum Thema hat, aktuell einen sehr hohen Stellenwert haben.

Aber es gibt natürlich noch viel mehr Aspekte. Welchen Beitrag der einzelne Verein zur Erfüllung der menschlichen Grundbedürfnisse in seinem Umfeld beitragen kann, muss jeweils zumindest für die Vereinsthemenbereiche (Sport, Kultur, Rettungswesen, …) ausgelotet werden. Die direkte Leistungserbringung vor Ort kann nur der einzelne Verein ableiten.

 

Elemente der Daseinsvorsorge

Die folgende Übersicht bietet Ansatzpunkte, um sich über die Wirkung des eigenen Vereins im Sinne der Daseinsvorsorge Gedanken zu machen.

Dort, wo es sinnvoll ist, wird auf Bezüge zu der Vereinsarbeit hingewiesen, die nicht unmittelbar mit dem einzelnen Vereinszweck verbunden sind, sondern eher der Organisation Verein entspringen.

Physiologische Grundbedürfnisse allgemein:

Trinken, Essen, Luft; Bewegung; Entspannung, Ruhe

  • Ökologische Nachhaltigkeit im Rahmen der Vereinsarbeit unterstützt die ersten Punkte.

Wird der Verein als Rückzugsort vom alltäglichen Leben gesehen, werden auch die weiteren Aspekte wie Entspannung und Ruhe angesprochen.

Gesundheit

Sicherheit als Schutz vor Gefahren, Ordnung:

  • Die Netzwerkbildung zwischen Vereinsmitgliedern kann ein Sicherheitsgefühl vermitteln, je nach Vereinsthema wird die Entwicklung des Selbstbewusstseins unterstützt.
  • Die gesellschaftliche Verankerung des Vereins kann Orientierung geben.

Soziale Beziehungen:

Freundeskreis, Nächstenliebe, Fürsorge, Kommunikation

  • Diese Aspekte können sich aus der gemeinschaftlichen Aktion im Verein ergeben. Eine wichtige Rolle kann dabei Geselligkeit spielen, ein Angebotsbereich, der eng mit Vereinen verbunden wird.

Soziale Beziehungen:

Partnerschaft, Liebe, Sexualität, Kommunikation.

Kulturbedürfnisse:

Ästhetik, kreativer Ausdruck; Bildung

  • Vereine bieten allein durch ihre Engagementmöglichkeiten vielfältige Lernbereiche für die eigene Weiterentwicklung.

Anerkennung und Erfolg:

  • Die freiwillige Aktivität in einem Themenfeld, das einem Menschen persönlich am Herzen liegt, bietet große Chancen auf positive Rückmeldungen.

Veränderung:

  • Entwicklung kann im Verein als stetiger Prozess erlebt werden, da der Verein sich um die Modernität seiner Angebote und Arbeitsweisen bemühen muss. Die Auseinandersetzung mit dem Verein in seiner Rolle für die Gesellschaft ist ein Wert an sich.

Freiheit, Selbstbestimmung

  • Originärer Bestandteil der Organisationsform Verein ist die demokratische Vorgehensweise.

 

Diese Übersicht kann als Ausgangspunkt für die Diskussion im Verein genutzt werden. Ziel ist es herauszufinden, welche der Grundbedürfnisse der eigene Verein anspricht, und konkret zu beschreiben, welche Möglichkeiten er dort bietet.

Selbst die hier schon angerissenen Basiswirkungen von Vereinen sind noch einmal zu prüfen und für den eigenen Verein gegebenenfalls zu erhärten.

Sollte dabei erkennbar werden, dass die Klarheit für den eigenen Verein noch nicht sehr ausgeprägt ist, bietet sich die Möglichkeit, grundlegend die Diskussion über das Vereinsangebot aufzunehmen.

Insgesamt eine perfekte Aufgabe für eine Klausurtagung mit interessierten Mitgliedern des Vereins.

Der Nutzen dieser Vereinsarbeit wiederum wird auch vom Umfeld des Vereins bestimmt. Der Verein in einem sozialen Brennpunkt hat beispielsweise andere Orientierungspunkte als der Verein in einer eher ländlichen Region.

Insgesamt kann eine so erfolgte Schärfung der Sichtweise des eigenen Vereins ein überzeugendes Auftreten bei verschiedenen Anlässen ermöglichen.

 

Umsetzung in der Vereinskommunikation

Wie schon angesprochen, eine Gesamtdarstellung würde für jeden aktiven Verein mehrere Seiten füllen. Dies wird die Geduld von Partnern und Interessenten überschreiten. Deshalb muss es im Grunde um zwei Schritte gehen. Einerseits die Erarbeitung einer Darstellung des konkreten Beitrages des einzelnen Vereins zu der Daseinsvorsorge in seinem Umfeld. Und andererseits um die punktuelle Einbindung in die Vereinskommunikation.

Hat der Verein eine klare Idee von seinem konkreten Nutzen für die Gesellschaft, sind verschiedene Formate denkbar, die wiederum stark mit der jeweiligen Nutzung in Verbindung stehen.

Beispiele:

Eine Faktenübersicht zu der Rolle des Vereins in dem Vereinsumfeld, zum Beispiel in zehn Punkten:

  • Nutzung zum Beispiel für die Information von Politikern oder für die Werbung von neuen Partner-Organisationen des Vereins.

Einzelaspekte als zum Beispiel monatliche Leitaussage:

  • Auf der Vereinshomepage. „Wusstet ihr schon …“ gefolgt von einer kurzen Aussage zu dem Wirken des Vereins.
  • Als monatliche Push-Nachricht für Mitglieder.

Einsatz von einzelnen Aspekten speziell bei der Mitgliederwerbung und der Werbung von Engagierten.

Einsatz von Einzelaussagen, zum Beispiel bei öffentlichen Auftritten des Vereins in Form eines Banners oder bei Reden durch Vereinsvertreter:

Auch die Mitglieder sollten hier in kurzer und prägnanter Form angesprochen werden. Es ist nicht selbstverständlich, dass sie sich über die Arbeit und Bedeutung des Vereins bewusst sind.