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Autor: Prof. Gerhard Geckle | 04.11.2020

Vereine und die Umsatzsteuer- was kommt?

Offenbar reden wir bald nicht mehr von der Absenkung der Umsatzsteuer, sondern konkret wohl von der Anhebung der Umsatzsteuersätze. Denn nach bisheriger Regelung kommt es zum Jahreswechsel zur Anhebung der Steuersätze wie in den Zeiten vor dem 01.07.2020.
Bild: Michael Bamberger

Also wieder überwiegend mit vollen 19 %, mit noch 7 % beim ermäßigten Umsatzssteuersatz. Es gibt keine Tendenzen, die besonders günstige Corona-Regelung dann auch ab 2021 in gleicher Weise fortzuführen.

Man muss halt rechtzeitig daran denken: Hat der Verein Daueraufträge, muss man rechtzeitig noch reagieren und damit spätestens im Dezember 2020 darangehen, über Sparkassen und Banken wieder den „richtigen" USt-Satz berücksichtigen, was Daueraufträge dann betragsmäßig mit Wirkung für das neue Vereinsjahr 2021 etwas teurer machen wird.

Gleiches gilt natürlich auch beim Geldeingang, der Verbuchung von Einnahmen von Dritten, auch ggf. per Lastschrifteinzug  es sollte der richtige Bruttobetrag eingehen, um spätere Korrekturen zu vermeiden!

Maßgebend ist – vereinfacht ausgedrückt, stets der Zeitraum der  Leistungserbringung, also nicht der vielleicht spätere Zugang der Rechnung u. Ä .

Leistungserbringungen noch vor dem 31.12.2020 sind daher steuerermäßigt und bei Waren, Dienstleistungen etc. im Regelfall noch 3 % „billiger“ rein rechnerisch.

 

Gerade bei Bauprojekten, größeren Baumaßnahmen und Sanierungen sollte man auch auf die geleisteten Anzahlungen sorgfältig achten. Wird ab 01.07.2020 bis zum Jahresende gezahlt auf vertragliche Vorgaben, fällt der ermäßigte Umsatzsteuersatz mit 16 % bzw. 5 % jeweils noch an. Damit spart man Umsatzsteuer mit Auswirkung im Vereinshaushalt des Vereinsjahrs 2020.

Wobei Vereine die Anzahlungsrechnung auch nicht berichtigen müssen, wenn in der fälligen Endrechnung der neue (und damit höhere) USt-Satz ab Januar 2021 angegeben wird.

Es gibt für bestimmte Sachverhalte Sonderregelungen, wie z. B. bei der Energieversorgung, Gutscheinen und weitere Einzelvorgänge mit USt-Bezug in diesem Jahr.

Gerade auch bei der dann hoffentlich wieder geöffneten Vereinsgaststätte sollte man auch die Aktualisierung der Speisekarte nicht übersehen. Insbesondere bei Getränken und einigen anderen Angeboten wird es „teurer“ mit vollen 19 % bislang ab 01.01.2021. Egal, ob man dies für eine moderate Preiserhöhung nutzt oder nicht.

Besser sieht es bei einer der wichtigen Ausnahmen bei Bewirtungsumsätzen aus, die von Vereinen oder anderen Anbietern gegenüber ihren Gästen/Kunden an Ort und Stelle erbracht werden. Es geht also um Bewirtungsbetriebe, auch um eigene selbst betriebene Kantinen von Vereinen/Verbänden als Arbeitgeber. Es bleibt derzeit zunächst bei dem sehr günstigen USt-Satz von 5 % statt wie sonst noch vor dem 01.07.2020 mit damals 19 % Umsatzsteuer.

Befristet für ein Jahr, genau ab 01.07.202030.06.2021, gilt der günstigere ermäßigte Steuersatz für erzielte Bewirtungsumsätze an Ort und Stelle. Somit erstmals wegen der Corona-Krise nur noch 5 % USt-Belastung für diese Einnahmen aus der Speiseabgabe im eigenen Klubheim etc., dies für ein Jahr!

Die Ausnahme war bisher stets die Abgabe von Speisen ohne jede Bewirtungsleistung, zur Mitnahme oder z. B. der Verkauf von Speiseeis, Wurst oder kleinere Snacks zur Mitnahme, dies zum jeweils ermäßigten USt-Satz.

Fazit: Für die Restaurations- und Verpflegungsleistungen ab dem Jahresanfang 2021 sind dann wieder auch hierfür 7 % anzusetzen, dies bis 30.06.2021.

Erst ab 30.06.2021 besteht da wieder ein richtiger Handlungs- und Kalkulationsbedarf, wenn diese befristete USt-Senkung auch bei den Bewirtungsumsätzen auslaufen sollte.

Wobei derzeit die mögliche Freude über diese Steuervorteile stark dadurch beeinträchtigt wird, dass durch den im November 2020  zunächst geltenden Teil-Lockdown die Restaurants, Klubheime mit ihren Bewirtungsangeboten vor Ort ganz schließen mussten. Nicht überall kann man in der Vereinspraxis für diese Fälle auch wegen des Personalbedarfs auf die denkbare Abgabe der Speisen und Getränke durch Vorbestellung zur Mitnahme/Abholung ausweichen.

Elektronische Registrierkassen sind hierfür sicherlich vorprogrammiert oder zeitnah upgedatet. Bei Barkassenführung in Clubheimen darauf achten, dass eben tagesgenau der jeweilige USt-Satz bei Speisenabgabe/Bewirtungsumsätzen beachtet wird und dies auch in der Umsatzsteuererklärung/Voranmeldung entsprechend berücksichtigt wird.

 

Soweit Probleme bei Kombi-Abgabepreisen für Speisen und Getränke bestehen sollten, kann nach Abschn. 10.1 UStAE Abs. 12 eine Pauschalierungsregelung genutzt werden. Der auf die Getränke entfallende Anteil kann mit 30 % des Pauschalpreises angesetzt werden.  Keine Verpflichtung, also kalkulieren, wie man besser fährt im Zeitraum 01.07.202030.06.2021!

 

Leichter wird es für Vereine/Verbände bei der Umsatzsteuer, soweit diese die Kleinunternehmerregelung mit 22.000 Euro an umsatzsteuerpflichtigen Einnahmen im Vorjahr, mit 50.000 Euro im laufenden Kalenderjahr noch nutzen können.

 

Quelle: BMF-Schreiben v. 02.07.2020 III C 2 – S 7030/20/100006-006, 2. Corona- Steuerhilfegesetz, Abschn. 12.16 Abs. 12 UStAE.