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Autor: Prof. Gerhard Geckle | 29.01.2020

Mehr Vergütungsspielraum für Sportler!

Damit hatte man eigentlich kaum gerechnet, aber das Bundesfinanzministerium überraschte auch Vereine und ihre Berater mit einer kleinen, aber dennoch wichtigen Praxisänderung: Im Anwendungserlass zur Abgabenordnung (AEAO) wurde der Höchstbetrag für die Einstufung als unbezahlter Sportler von bisher 400 Euro im Monatsdurchschnitt nunmehr auf 450 Euro im Monat/5.400 Euro im Kalenderjahr soeben angehoben.
Bild: Corbis

Diese moderate Betragsanpassung wurde bereits seit längerer Zeit gefordert, da es bei gezahlten Sportlervergütungen häufig vorkam, dass man bei Anwendung der Minijob-Regelung mit maximal 450 Euro im Monat auch dies als Betragsgrenze für Sportlervergütungen herangezogen hatte.

Meist gab es dann bei Vereinsprüfungen durch die Finanzämter erst Jahre später sogar gemeinnützigkeitsrechtliche Konsequenzen, zudem drohte beim bisher begünstigen Zweckbetrieb, dass je nach Sachverhalt auf einmal eine Zuordnung zum steuerschädlichen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb (wiG) drohte.

Denn so werden auch Sportkurse und Sportlehrgänge, Schulungen und Trainingsangebote für die Mitglieder und auch Nichtmitglieder nach § 67a Abs. 3 AO als Zweckbetrieb behandelt und steuerlich damit „gefördert“, wenn kein Sportler teilnimmt, der mehr als 400 Euro bislang, 450 Euro ab sofort an Vergütungen erhält. Zumal es dann gelegentlich zur weiteren Konsequenz kommen konnte, dass beim Einsatz von nebenberuflichen Übungsleitern/Trainern und Training mit bezahlten Sportlern es – mit Rückwirkung – keinen Übungsleiterfreibetrag mehr gab. Was viele Übungsleiterabrechnungen für die Sportvereine nicht unerheblich nachträglich verteuern konnten.

Nunmehr kann man bei Vergütungen an Sportler, die ja ohnehin weder den ÜL-Freibetrag noch den Ehrenamtsfreibetrag in Anspruch nehmen können, bis zu 450 Euro monatlich gehen.

 

Unabhängig von dieser Sportverein-Vorgabe kam u. a. auch eine kleine Änderung des AEAO zu § 68 AO mit Wirkung für die Vereinsbesteuerung: Klargestellt wurde, dass unter die Begriffe der Altenheime, Altenwohnheime und Pflegeheime Einrichtungen fallen, die für die in § 53 AO benannten Personen Leistungen der Pflege oder Betreuung sowie Wohnraumüberlassung erbringen und die einschlägigen Verträge hierfür voneinander abhängig sind.

Reagiert wurde auch gleich auf die neue BFH-Rechtsprechung: Soweit in einer für die Allgemeinheit zugänglichen Cafeteria Bewirtungsleistungen erbracht werden, fallen die erzielten Einnahmen buchhalterisch in den wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb (wiG).

 

Quelle: BMF-Schreiben v. 20.12.2019, IV A3- S 0062/19/100100:01 zur Änderung des AEAO, BStBl I 2020 S. 59