Content Portlet (für Detailseite)

Eigene Texte anzeigen (Nur Detailseite)

Autor: Stefan Wagner | 29.10.2018

Wann muss der Sponsor zahlen?

Viele Vereine kommen ohne ausreichende Sponsorenleistungen nicht mehr über die Runden. Dies führt allerdings zu erheblichen Abhängigkeiten und Verflechtungen, die für beide Seiten – wie der Fall zeigt – nachteilig sein können.
Bild: Corbis

Im vorliegenden Fall war ausgerechnet der Präsident des Vereins personenidentisch mit dem Geschäftsführer der Firma, die den Verein sponserte. Probleme treten dann auf, wenn die Leistung des Vereins bzw. der Mannschaft nicht mehr stimmt oder die Beziehung aus anderen Gründen in die Brüche geht und dann die Sponsoringleistungen ausbleiben.

 

Das Urteil

Das OLG hat einem aktuell in der Fußball-Oberliga spielenden Verein Zahlungsansprüche gegen den ehemaligen Hauptsponsor zugesprochen. Der ehemalige 1. Vorsitzende des Vereins, der zugleich Geschäftsführer der Verwaltungs GmbH des Sponsors ist, haftet dagegen nicht.

 

Worum ging es?

In dem Verfahren macht der klagende Fußballverein Zahlungsansprüche gegen seinen ehemaligen 1. Vorsitzenden und gegen den ehemaligen Hauptsponsor i. H. v. insgesamt rd. 270.000 Euro geltend. Der 1. Vorsitzende war zugleich Geschäftsführer der beklagten Firma.

Der Verein stützte die Klage im Wesentlichen darauf, die Beklagten hätten über die Laufzeit des Sponsoringvertrags hinaus dem Verein weitere finanzielle Unterstützung in Höhe bestimmter Beträge zugesagt, diese Zahlungen aber nicht erbracht.

Die Klage gegen den ehemaligen 1. Vorsitzenden bzw. den Geschäftsführer der Firma stützte der Verein ferner darauf, dass dieser während seiner Amtszeit als Präsident des Vereins für diesen in erheblichem Umfang (insbesondere Spieler- und Trainer-) Verträge abgeschlossen habe, ohne dies mit dem Präsidium des Vereins abzustimmen. Das Zusammentreffen der genannten Faktoren habe den Verein an den Rand der Insolvenz gebracht, wodurch dem Verein weitere Schäden entstanden seien.

Das LG wies die Klage ab. Auf die Berufung des Klägers änderte das OLG das Urteil ab, gab der Klage teilweise statt und verurteilte die Firma zur Zahlung von 150.000 Euro. Im Übrigen wies es die Klage ab.

Der Verein konnte von der Firma aufgrund einer mündlichen Zusage die Zahlung von insgesamt 150.000 Euro (für die Saison 2013/2014 nochmals 100.000 Euro und für die Saison 2014/2015 weitere 50.000 Euro) verlangen, da nachweisbar Bedingungen der Firma eingetreten waren.

Die Klage gegen den Geschäftsführer ging allerdings ins Leere, da für dessen persönliche Haftungsübernahme für die zugesagten Sponsorenleistungen keine hinreichenden Anhaltspunkte vorliegen.

 

Was lernt man daraus?

Rechtlich ist die Form für den Abschluss eines Sponsoringvertrags nicht vorgeschrieben, d. h. ein solcher Vertrag kommt auch mündlich zustande. Sorgfältig gestaltete Verträge in diesem Bereich sind in der heutigen Zeit schon aus steuerlichen Gründen zwingend, um im Streitfall Beweisschwierigkeiten aus dem Weg zu gehen. Wer sich auf mündliche Zusagen verlässt, ist häufig selbst verlassen.

Vor Gericht helfen dann nur noch stichhaltige Zeugenaussagen, die nicht selten ein hohes Risiko darstellen.

 

Fundstelle: OLG Koblenz, Urteil v. 03.01.2018, Az.: 10 U 893/16