Montag, 02.04.2018 | Autor: Ulrich Goetze, Foto: © PhotoDisc/Getty Images, Inc.

Jahresabschluss und Steuererklärungen im Verein

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Worum geht´s in diesem Thema
  • Jahresabschluss im Verein
  • Steuererklärung im Verein

Jahresabschluss und Steuererklärung - ein Thema, welches auch Vereine beschäftigt.

Einen Jahresabschluss hat nach seiner Satzung jeder Verein zu erstellen. Zudem ist der Jahresabschluss aus steuerrechtlichen Gründen erforderlich. Hierzu werden die Zahlen der Buchhaltung aufgearbeitet und ggf. so genannte Abschlussbuchungen durchgeführt.

Die 5 häufigsten Fallen

1. Der Verein erkennt seine Steuerpflicht nicht

Sofern die Einnahmen aus wirtschaftlichen Geschäftsbetrieben im Jahr die Freigrenze von 35.000 Euro nicht überschreiten, ist eine diesbezügliche Gewinnermittlung nicht erforderlich. Der gemeinnützige Verein muss die Einnahmen einschließlich Umsatzsteuer zusammenrechnen, um zu prüfen, ob eine Steuerpflicht besteht.

2. Die Umsatzsteuerpflicht wurde nicht erkannt

Wenn die Summe der umsatzsteuerpflichtigen Einnahmen des Vorjahres höher als 17.500 Euro war, muss der Verein im Folgejahr die Umsatzsteuer berechnen und an das Finanzamt abführen.

3. Umsatzsteuerpflichtige Erlöse wurden übersehen

Umsatzsteuerpflichtige Erlöse können auch in den Bereichen Vermögensverwaltung und Zweckbetrieb anfallen, daher ist auch in diesen Bereichen eine Steuerpflicht der Einnahmen zu prüfen.

4. Die Zweckbetriebsgrenze im Sport wurde überschritten

Ein Sportverein muss die Einnahmen aus sportlichen Veranstaltungen, zum Beispiel Teilnehmergebühren, Eintrittsgelder oder Spielgebühren im Zusammenhang betrachten. Bei einem Überschreiten der Zweckbetriebsgrenze von 45.000 Euro gelten die sportlichen Veranstaltungen als steuerpflichtiger wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb. Eine Option nach § 67a AO ist möglich und muss beantragt werden.

5. Für das Finanzamt ist ein gesonderter Jahresabschluss zu erstellen

Der Verein muss die Zahlen seiner Untergliederungen (Abteilungen und Gruppen) in seinen steuer­lichen Jahresabschluss einbeziehen.

 

Jeder Verein unterliegt grundsätzlich denselben Steuererklärungspflichten wie jeder andere Steuerpflichtige. Jedoch genießt der Verein Steuervorteile, indem Gewinne im ideellen Bereich von der Ertragsbesteuerung freigestellt oder Erlöse oft von der Umsatzsteuer befreit sind.

Wenn Steuerpflichten bestehen, sind sie vom Verein auch einzuhalten. Wenn der Verein erkennt, dass er steuerpflichtig ist, hat er die dazu erforderlichen Erklärungen unaufgefordert dem Finanzamt einzureichen.

Der gesetzliche Vertreter des Vereins hat jede Erklärung zu unterschreiben und damit zu versichern, dass die Angaben in der Erklärung nach bestem Wissen und Gewissen richtig und vollständig gemacht wurden.

Die 4 häufigsten Fallen

1. Der Verein beachtet nicht die Erklärungspflichten

Wenn Vereine keine Steuererklärungen beim Finanzamt einreichen, wird das Finanzamt nach vorheriger Mahnung die Gemeinnützigkeit aberkennen.

2. Die Überschreitung der umsatzsteuerlichen Kleinunternehmergrenze wird nicht beachtet

Wenn die Summe der umsatzsteuerpflichtigen Erlöse die Grenze von 17.500 Euro übersteigt, müssen im Folgejahr Umsatzsteuererklärungen abgegeben werden.

3. Der Verein kennt nicht die Konsequenzen, wenn im wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb die Erlöse höher als 35.000 Euro sind

Bis zu Einnahmen von 35.000 Euro wird das Er­gebnis des wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs nicht der Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer unterworfen.

4. Die Einnahmen aus sportlichen Veranstaltungen unterliegen einer eigenen Besteuerungsgrenze

Die gemeinnützigkeitsrechtlich genannte Grenze von 45.000 Euro umfasst sowohl umsatzsteuerfreie als auch umsatzsteuerpflichtige Einnahmen. Zur Prüfung, ob diese Grenze überschritten wird, sind die verschiedenen Einnahmepositionen zu addieren.

 

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Foto: © Online-Redaktion verein-aktuell.de
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Ulrich Goetze ist Steuerberater und als Autor und Dozent zum Vereins- und Stiftungsrecht tätig. Er ist in diesem Bereich gutachterlich tätig und hat sich auf das Vereins- und Stiftungsrecht ...

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