Dienstag, 06.06.2017 | Autor: Prof. Gerhard Geckle, Foto: © Corbis

Was bringt das 2. Bürokratieentlastungsgesetz unseren Vereinen?

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  • Bürokratieentlastungsgesetz und Verein
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Am 12.05.2017 hat auch der Bundesrat diesem bis dahin gelaufenen Gesetzespaket zugestimmt, mit einigen Änderungen auf BR-Ebene.

 

Lässt man einmal den Gesetzestitel beiseite, so dürfte für die Vereins- und Verbandspraxis bereits für dieses Kalenderjahr 2017 Folgendes relevant sein: 

 

 

Verein als Arbeitgeber

Wie schon bekannt, steht die Anhebung der Betragsgrenze bei vierteljährlicher Abgabe der Lohnsteuer-Anmeldung fest, mit der Anhebung auf 5.000 Euro Lohnsumme.

 

Pflichtangaben für Kleinbetragsrechnungen

Nochmals geändert hat sich der Schwellenwert für die umsatzsteuerrelevanten Kleinbetragsrechnungen.

Statt bisher 150 Euro werden jetzt auch Bons und Kaufbelege jeweils bis 250 Euro anerkannt.

Folgende Angaben sind dabei ausreichend:

- vollständiger Name und vollständige Anschrift des ausstellenden Unternehmens,

- Menge und Art,

- das Entgelt und der darauf entfallende Steuerbetrag sowie

- der angewendete Steuersatz bzw. der USt-Befreiungshinweis. 

Nicht erforderlich wären also im Gegensatz zu sonstigen Rechnungen die Angabe des Nettobetrags, der Umsatzsteuerbetrag, Name und Anschrift auch des Empfängers, der Lieferzeitpunkt und die Steuer- bzw. Rechnungsnummer.

  Somit Vorteile bei Abrechnungen von kleineren Barumsätzen etwa im Handel   mit Waren des täglichen Bedarfs auch bei Vereinen.

 

Kurzfristige Beschäftigung

Bei Beschäftigungsverhältnissen mit sogenannten kurzfristig Beschäftigten führte die seit 01.01.2017 geltende Erhöhung des Mindestlohns von 8,84 Euro pro Stunde auf einen durchschnittlichen Tageslohn von jetzt höchstens 72 Euro (bislang 68 Euro). Bei Abrechnungen mit der Möglichkeit der Lohnsteuerpauschalierung von 25 % daher beachten, bei einer Beschäftigungsdauer als Aushilfe von längstens drei Monaten oder 70 Arbeitstagen. Als Alternative auch zu den üblichen Mini-Job-Verhältnissen.

 

Abschreibungsdauer für geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG)

Auch gibt es – mit Wirkung, aber erst ab 2018 – die lange schon erwartete Verbesserung der Abschreibungsdauer für geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) von bis bisher 410 Euro (Nettobetrag). Ab 2018 wird diese Abschreibungsgrenze auf 800 Euro erhöht, was auch für viele Vereine/Verbände bei Neu-Anschaffungen von Vorteil ist.

Beispiel: Der Sofortabzug ist auch für Vereine/Verbände oder die gGmbH ab Jahresanfang 2018 möglich, wenn bei einem Nettopreis von 800 Euro bei 19 % USt der Bruttokaufpreis insgesamt nicht über 952 Euro liegt, bei Wirtschaftsgütern mit 7 % kann der Bruttokaufpreis dann noch bei 856 Euro liegen.

Also bei Entscheidungen zum Jahresende für Neuanschaffungen ggf. nutzen, statt Verteilung der Anschaffungskosten sonst auf die üblichen, längeren Abschreibungszeiträume. Durch die Erhöhung fallen sicherlich auch zahlreiche Telekommunikationsmittel, Handy, Rechner, PCs etc. unter die Sofortabschreibungsgrenze im neuen Vereinsjahr 2018!

 

Aufzeichnungspflichten

In diesem Gesetzespaket wurden bei den separat zu betrachtenden Aufzeichnungspflichten für GWG nach § 6 Abs. 2 Satz 4 EStG diese auf 250 Euro mit Wirkung ab 2018 angehoben. Betrifft daher alle Wirtschaftsgüter, die ab dem nächsten Jahr von Vereinen/Verbänden gekauft oder hergestellt bzw. in das Betriebsvermögen eingelegt werden.

 

Das Gesetzespaket enthält noch zahlreiche sonstige Änderungen, z. B. bei der Handwerksordnung, der Aufbewahrungsfrist für Lieferscheine nach der AO, zur Fälligkeitsregelung für Sozialversicherungsbeträge u. a.

Quelle: 2. Bürokratieentlastungsgesetz (Gesetz zur Entlastung insbesondere der mittelständischen Wirtschaft von Bürokratie)

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Foto: © Online-Redaktion verein-aktuell.de
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Prof. Gerhard Geckle ist Fachanwalt für Steuerrecht und selbstständiger Rechtsanwalt in der Kanzlei Dr. Stilz, Behrens & Partner mit Sitz in Freiburg.

Prof. Geckle ist u. a. Referent ...

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