Donnerstag, 18.01.2018 | Autor: Prof. Dr. Ronald Wadsack, Foto: © panthermedia

Verein und Nachhaltigkeit

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Worum geht´s in diesem Thema
  • Nachhaltigkeit im Verein

„Nachhaltigkeit“ – ein viel gebrauchtes Wort in heutiger Zeit. Aber mit Gewicht. Es geht, nimmt man die damit verbundenen Gedanken ernst, um die Fortexistenz der Erde und die Möglichkeit, in einer lebenswerten Umwelt und Gesellschaft zu leben. Große Worte – und was soll dies nun für den „kleinen“ Verein bedeuten? Vereine sind Mitakteure in unserer Gesellschaft und bestimmen damit auch die Zukunftsaussichten v. a. folgender Generationen. Sie tragen ihren Anteil der Verantwortung an einer lebenswerten Zukunft. 

 

 

Nachhaltigkeit als Anspruch

Die bekannteste Beschreibung dessen, was mit Nachhaltigkeit zu umschreiben ist, stammt aus dem sogenannten Brundtland-Report: „»Nachhaltige Entwicklung« ist eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht mehr befriedigen können.“ Dieser Bericht wurde im Auftrag der UN erarbeitet und 1987 veröffentlicht. Es geht darum, auch über die eigene Lebenszeit hinaus zu denken, um folgenden Generationen eine lebenswerte Erde und Gesellschaft zu hinterlassen.

Einen ersten Eindruck, was dies bedeutet, kann man sich selbst im Internet verschaffen. Es gibt verschiedene Angebote, den eigenen ökologischen Fußabdruck zu ermitteln. Hier werden Konsum- und Lebensgewohnheiten umgerechnet auf den damit verbundenen Ressourcenverbrauch auf der Erde. Nicht selten kommt dabei heraus, dass, wenn alle Menschen auf der Erde so leben wie man selbst, würden locker mehr als die in einem Jahr auf der Erde verfügbaren Ressourcen verbraucht werden. Am 02.08.2017 war in diesem Jahr der Tag, an dem die regenerierbaren Ressourcen der Erde für dieses Jahr verbraucht waren, seitdem leben wir auf Kosten der Zukunft. Beeindruckende Werte, die mit der Ökologie eine der offensichtlichen Komponenten der Nachhaltigkeit betreffen.

 

Drei Säulen der Nachhaltigkeit

Aber Nachhaltigkeit ist mehr als nur die ökologische Betrachtung. Typischerweise werden drei Säulen unterschieden:

  • Ökologie/Umwelt, Natur
  • Ökonomie/Wirtschaft
  • Soziales

Aus Sicht der Ökologie ist der Erhalt der Natur und Umwelt im Rahmen ihrer Regenerationsmöglichkeit ein zentraler Aspekt. Es geht nicht darum, komplett auf die Nutzung der Ressourcen aus Natur und Umwelt zu verzichten, sondern diese in Maßen in Anspruch zu nehmen. Der sparsame Gebrauch von (sauberem) Wasser, der Umgang mit Abfall oder die Verschmutzung der Luft sind bekannte Themen.

Auch in dem wirtschaftlichen Handeln geht es darum, Schäden für die künftigen Generationen zu vermeiden. Dazu gehört die Verschwendung von finanziellen Mitteln oder, wie auch gerne gesagt wird „das Verbrennen von Geld“ für unnütze Projekte.

Die soziale Nachhaltigkeit schließlich ist der Anspruch, sich für ein menschenwürdiges Zusammenleben einzusetzen. Chancengleichheit, Bildung, Ernährung sind dazugehörige Begriffe.

Aber was hat das jetzt mit Vereinen zu tun? Solch global anmutende Themen wirken überdimensioniert. Dennoch sollte man die Möglichkeit auch kleiner Vereine nicht unter den Scheffel stellen.

 

Ansatzpunkte der Nachhaltigkeit im Verein

Vereinsziele als Ausgangspunkt

Bei dem Blick auf den Verein ist sicherlich erst einmal das zentrale Thema des Vereins ein Orientierungspunkt. Viele Vereine greifen unmittelbar solche Nachhaltigkeitsthemen auf:

  • Jugendarbeit mit den Zielen Bildung, Wertevermittlung
  • Naturschutz in Bezug auf Tiere und Pflanzen
  • Soziale Arbeit in Quartieren oder Städten für benachteiligte Menschen
  • Seniorenvereine zur Ermöglichung von sozialen Kontakten im heimischen Umfeld
  • Sportvereine zur Orientierung an einer gesunden Lebensweise und durch Bewegung
  • Kulturvereine zur Bewahrung von gesellschaftlichen Sitten und Gebräuchen als Orientierungspunkt für Menschen
  • Vereine für eine Unterstützung der menschlichen Gesundheit, sei es als Zusammenschlüsse für Betroffene verschiedener Krankheitsbilder als auch für eine aktive Gesundheitsförderung, wie z. B. Kneipp-Vereine.

Dies sind nur einige Beispiele für Vereinsthemen, welche direkten Bezug zu den Nachhaltigkeitsthemen haben. Gleichfalls ist zu bedenken, dass es Querverbindungen gibt. Der Seniorenverein, welcher auch Gymnastikangebote hat, um seinen Teilnehmern Bewegungsaktivitäten nahezubringen. Oder der Sportverein, der z. B. im Rahmen von Natursport (Paddeln, Segeln, Klettern, Wandern etc.) auf einen schonenden Umgang mit der Ressource Natur achtet. Es gibt sicher weitere Beispiele.

Vereinsaktivitäten und Nachhaltigkeit

Aber es gibt andere, vielleicht nicht so direkt im Blick befindliche Aktivitäten, welche ein nachhaltiges Handeln des Vereins ausdrücken können.

  • Im Zuge der Bildungsaufgabe, vor allem im Umgang mit Kindern und Jugendlichen, kann das Einüben einer ressourcensparenden Lebensweise integriert sein. Die Diskussion um Anschaffungen für den Verein oder die Art und Weise der nächsten Vereinsreise können entsprechende Themen aufgreifen, die sich auch im Alltagsleben wiederfinden lassen.
  • Gezielt können Nachhaltigkeitsthemen mit jüngeren Gruppen aufgearbeitet werden. Unter welchen Bedingungen ist dieses Spielgerät entstanden? Welche Rohstoffe gehen ein? Hier kann es auch sinnvoll sein, in Kooperation mit einem für das Thema kompetenten z. B. Umweltschutzverein zusammenzuarbeiten.
  • Der Unterhalt des eigenen Vereinsheims oder sonstiger Vereinsimmobilien ist ein Beispiel nachhaltigen Handelns. Auch ohne die gesetzlichen Auflagen zur Energieeinsparung kann der Verein sinnvolle Maßnahmen auf den Weg bringen. Den sparsamen Umgang mit Wasser und Strom und Heizenergie mit den Mitgliedern einüben sind direkte Beispiele.
  • Bei Vereinsveranstaltungen oder dem Einkauf von Geräten und Materialien ist die Suche nach vertretbaren Quellen ein sinnvoller Ansatz. Unter welchen Produktionsbedingungen sind die Artikel entstanden, welche Transportaufwendungen sind notwendig gewesen? Die Nutzung regionaler Produkte, vor allem bei Lebensmitteln, ist mittlerweile ja verbreitet.
  • Bei dem Thema Vereinsräume, Vereinsheim oder Vereinsanlage kann es nachhaltiger sein, eher in Kooperation als in Eigentum zu denken. Wie lassen sich solche Immobilien möglichst wirkungsvoll nutzen, um die damit verbundene Investition möglichst fruchtbar zu machen? Nicht alles, was durchsetzbar und finanzierbar erscheint, muss auch realisiert werden.
  • Gleiches gilt in Schrumpfungsprozessen. Hier gilt, frühzeitig über den eigenen Schatten zu springen und durch eine Vereinskooperation ressourcensparend das Vereinsziel weiter zu verfolgen.       

Der Nachhaltigkeitsaspekt lässt ein klassisches Thema der Vereinsarbeit in einem neuen Licht erscheinen: die freiwillige und unentgeltliche Mitarbeit, das Ehrenamt.

Die Möglichkeiten für Menschen, nach eigenen Interessen freiwillig Aufgaben zu übernehmen und mit anderen zusammenzuarbeiten, sind ganz grundlegende Aspekte der sozialen Nachhaltigkeit. Gerade bei jüngeren Engagierten kommt die Möglichkeit des Kompetenzerwerbs noch hinzu. Außerdem spart diese Form der Mitarbeit Geld und kann durch niedrige Mitgliedsbeiträge in die Gesellschaft zurückgegeben werden. Dieser Punkte sollte man sich als Verein bewusst sein und dies auch in der eigenen Darstellung gegenüber Partnern aktiv einbringen. Dies ist ein wichtiger Wert für soziale und ökonomische Nachhaltigkeit.

Eng mit dem Engagement verbunden sind auch die Möglichkeiten der demokratischen Teilhabe und Mitgestaltung, auch wenn sie in vielen Vereinen erlahmt sind. Es kann sich lohnen, gerade in diesem Bereich Aktionen zur Aktivierung zu starten.

Schlüssel: Führungsarbeit im Verein

Die Schlüsselfunktion für die Nachhaltigkeitsthematik liegt beim Vorstand. Er trifft Entscheidungen über den Ressourceneinsatz oder zumindest bereitet er diese für die Mitgliederversammlung vor. Ebenfalls liegt es maßgeblich an der Vereinsführung, welche Themen in das Blickfeld gerückt werden und welche eher am Rande mitlaufen.

Und: Der Vorstand hat die Aufgabe, die Modernisierung der Vereinsarbeit voranzutreiben. In punkto Nachhaltigkeit gilt dies vor allem für die gesellschaftliche Relevanz der aktuellen Vereinsangebote. Aber auch der schonende Umgang mit den vereinsinternen Ressourcen, allen voran die freiwillig engagierten Mitarbeiter und die Finanzen, liegt maßgeblich bei der Vereinsführung.

 

Ehrliche Nachhaltigkeit gefragt

Was man sich als Verein auf keinen Fall antun sollte ist „Greenwashing“. Dieser Fachausdruck hat sich dafür eingebürgert, wenn Organisationen ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten in schillernden Farben darstellen, bei genauerer Betrachtung aber wenig zu bieten haben.

Vereine haben da per se genug zu bieten, sind sie doch als Initiative der Mitglieder für ihre eigenen Anliegen aktiv und kümmern sich um ihre eigenen Ressourcen. Nicht umsonst wird damit auch in vielen Fällen der Status der Gemeinnützigkeit verbunden. Wenn dieser dann auch noch durch gutes Handeln im Verein gerechtfertigt wird, ist eine sehr gute Ausgangsposition geschaffen.

Foto: © Online-Redaktion verein-aktuell.de
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Es schreibt für Sie

Dr. Ronald Wadsack ist Professor für Sportmanagement an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften.

 

Er hält regelmäßige Lehrveranstaltungen, vor allem zu ...

Prof. Dr. Ronald Wadsack