Donnerstag, 06.07.2017 | Autor: Stephan Wilcken, Foto: © MEV Verlag GmbH

Verein als Arbeitgeber: Was ist beim Urlaub zu beachten?

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Worum geht´s in diesem Thema
  • Verein als Arbeitgeber
  • Urlaubsanspruch

Beschäftigte in einem Arbeitsverhältnis haben einen Urlaubsanspruch gegen den Verein. Dieser ist aber sowohl von der Länge als auch von der Lage her nicht uneingeschränkt von den Beschäftigten so zu beanspruchen, wie sie dies vielleicht im konkreten Falle wünschen.

 

Vereine sind wie jeder Arbeitgeber verpflichtet, ihren Beschäftigten Urlaub zu gewähren. Für sie gilt das gleiche Arbeitsrecht, wie Sie dies aus den anderen Bereichen des Arbeitsrechts kennen.

 

ACHTUNG:

Auch geringfügig oder nur kurze Zeit Beschäftigte haben einen gesetzlichen Urlaubsanspruch, den sie geltend machen können: auch dieser Personenkreis ist Arbeitnehmer im Sinne des deutschen Arbeitsrechts.

 

Beispiel: Sie beschäftigen eine Person für zwei Monate, um eine Jubiläumsveranstaltung vorzubereiten. Der Arbeitnehmer ist zuvor in der Ausbildung und danach arbeitslos. Auch dieser Beschäftigte hat einen gesetzlichen Urlaubsanspruch, den er geltend machen kann.

Der gesetzliche Anspruch auf Erholungsurlaub beträgt 24 Werktage pro Kalenderjahr.

 

ACHTUNG:

Das Bundesurlaubsgesetz geht von sechs Werktagen aus, der Samstag gilt als Werktag. Wird der Arbeitnehmer an weniger als sechs Tagen pro Woche beschäftigt, ist der Anspruch von 24 Werktagen entsprechend umzurechnen.

 

Beispiel: Der Arbeitnehmer wird an vier Tagen pro Woche beschäftigt. Sein Urlaubsanspruch beträgt (24 [Werktage Urlaubsanspruch] : 6 [Werktage pro Woche] x 4 [Arbeitstage des Arbeitnehmers] =) 16 Arbeitstage.

Wenn ein Arbeitnehmer unregelmäßig, mal an drei, mal an fünf Tagen pro Woche beschäftigt wird, dann wird in der Praxis ein repräsentativer Durchschnitt der wöchentlichen Arbeitstage, entweder pro Monat, pro Halbjahr oder pro Kalenderjahr gebildet, um den Umfang des Urlaubsanspruches zu berechnen.

Im ersten Kalenderjahr des Arbeitsverhältnisses mit dem Verein hat der Beschäftigte nur einen anteiligen Urlaubsanspruch, nämlich 1/12 für jeden vollen Monat des Bestehens des Arbeitsverhältnisses. Ist der Mitarbeiter vom 17.02. bis 31.12. des Jahres beim Verein angestellt, ist er neun volle Monate beschäftigt und hat damit bei einer Sechs-Tage-Woche (24 [Werktage Urlaubsanspruch] : 12 [Kalendermonate] x 9 [volle Monate des Bestehens des Arbeitsverhältnisses] =) 18 Tage Urlaubsanspruch.

Gleiches gilt, wenn der Mitarbeiter im ersten Kalenderhalbjahr aus dem Arbeitsverhältnis ausscheidet. Endet das Arbeitsverhältnis spätestens zum 30.06. eines Jahres, dann steht dem Mitarbeiter auch nur ein anteiliger Urlaubsanspruch zu.

Erholungsurlaub muss vom Arbeitnehmer beantragt werden. Erst wenn er vom Verein genehmigt ist, darf er dann auch genommen und angetreten werden.

HINWEIS: Geht der Mitarbeiter in Urlaub, ohne dass dieser vom Verein genehmigt wurde, kann das Arbeitsverhältnis grundsätzlich gekündigt werden. Eine so genannte Selbstbeurlaubung ist nicht zulässig.

Erkrankt der Mitarbeiter während des Urlaubs, dann verbraucht er während der durch ärztliches Attest nachgewiesenen Tage der Arbeitsunfähigkeit keinen Urlaub, diese Tage werden seinem Urlaubskonto wieder gutgeschrieben. Der Mitarbeiter darf aber die durch die Arbeitsunfähigkeit nicht verbrauchten Urlaubstage nicht an das Ende des genehmigten Urlaubs anhängen; dies wäre dann wieder eine so genannte Selbstbeurlaubung, die grundsätzlich nicht zulässig ist.

 

ACHTUNG:

Mitarbeiter, die während des Urlaubs erkranken, sind verpflichtet, bereits ab dem ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorzulegen. Dies gilt selbstverständlich auch dann, wenn die Erkrankung im Ausland auftritt. In diesem Falle muss der Arbeitnehmer dem Verein auch seine Aufenthaltsadresse im Ausland mitteilen.

 

Wenn zwei Beschäftigte Urlaub im gleichen Zeitraum haben wollen, Sie aber nur einen von beiden gehen lassen können, gilt zunächst das Prinzip: wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Wenn die Anträge aber in zeitlicher Nähe, also fast gleichzeitig gestellt werden, ist nach den sozialen Kriterien zu entscheiden: der Beschäftigte mit schulpflichtigen Kindern genießt den Vorzug in der Schulferienzeit vor demjenigen, der keine schulpflichtigen Kinder hat.

Bei der Beendigung des Arbeitsverhältnisses erteilen Sie dem Beschäftigten eine Urlaubsbescheinigung, aus der sich ergibt, welchen Urlaubsanspruch er im aktuellen Jahr hatte und wie viel Urlaub er genommen hat. Damit kann ein neuer Arbeitgeber erkennen, ob der Mitarbeiter schon mehr Urlaub hatte als ihm tatsächlich zustand. In diesem Falle kann der neuer Arbeitgeber den bei ihm bestehenden Urlaubsanspruch kürzen.

HINWEIS: Lassen auch Sie sich von neu eingestellten Mitarbeitern die Urlaubsbescheinigung des letzten Arbeitgebers vorlegen, damit Sie auch gegebenenfalls von diesem zu viel gewährten Urlaub anrechnen können.

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Foto: © Lexware verein aktuell
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Stephan Wilcken ist Fachanwalt für Arbeitsrecht, GF des Arbeitgeberverbands Südwestmetall, Bezirksgruppe Freiburg, vertritt und berät die dem Verband angeschlossenen Unternehmen in arbeits- und ...

Stephan Wilcken