Dienstag, 21.02.2017 | Autor: Prof. Gerhard Geckle, Foto: © Michael Bamberger

Gibt es den Übungsleiterfreibetrag für einen „Auditor“?

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Wieder einmal musste sogar ein Finanzgericht den aufgekommenen Streit mit dem Finanzamt abschließend beurteilen, ob ein ehrenamtlicher, im Ruhestand noch tätiger sog. Auditor mit umfangreichem Fachwissen aus früherer Beratungstätigkeit in der Wirtschaft seine von der Hochschule erhaltene sehr moderate Vergütung steuerfrei stellen kann.

Der Kläger in diesem Steuerrechtsstreit engagierte sich als sog. Auditor bei den Akkreditierungsverfahren für Bachelor- und Masterstudiengänge an verschiedenen Hochschulen. Sein Hauptzweck lag in der Vermittlung von Fachwissen und Expertisen-Tätigkeit, um den Verantwortlichen in den Hochschulen die notwendige Kenntnis zu vermitteln, damit Studiengänge entsprechend inhaltlich aufgebaut werden könnten.

Es ging um 813 Euro als erhaltene Aufwandsentschädigung, im Ergebnis lehnten das FA und auch das Finanzgericht den möglichen Anwendungsbereich des ÜL-Freibetrags nach § 3 Nr. 26 EStG ab.

Die Klage scheiterte letztendlich daran, dass bei der ausgeübten Tätigkeit der Nachweis einer pädagogischen Ausrichtung nicht erbracht werden konnte.

Denn die Sichtung von Informationen, die Erstellung von Expertisen mit dem Ziel, vorrangig die Durchführung eines Akkreditierungsverfahrens an der Hochschule zu begleiten, reichten nicht aus, um den Nachweis zu erbringen, dass direkt die geistigen und körperlichen Fähigkeiten von Menschen gefördert und entwickelt werden. Denn unmittelbare Kontaktaufnahme zu den Studierenden erfolgte nicht.

Fundstelle: Hessisches FG, Urteil vom 25.02.2016, 12 K 1017/15

 

Hinweis:

Die Tatsache, dass diesem ehrenamtlich Tätigen das Finanzamt zuvor für immerhin fünf Jahre unbeanstandet den Freibetrag bei seiner ESt-Erklärung gewährte, führte nach Auffassung des FG zu keinem Vertrauensschutztatbestand veranlagungsbezogen. Nicht mitgeprüft wurde im Besteuerungsverfahren offenbar, ob man nicht alternativ für die steuerbegünstigte Tätigkeit zumindest den Ehrenamtsfreibetrag nach § 3 Nr. 26a EStG hätte zugrunde legen können. 

 

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Foto: © Online-Redaktion verein-aktuell.de
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Prof. Gerhard Geckle ist Fachanwalt für Steuerrecht und selbstständiger Rechtsanwalt in der Kanzlei Dr. Stilz, Behrens & Partner mit Sitz in Freiburg.

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