Donnerstag, 13.08.2015 | Autor: Hartmut Fischer, Foto: © Corbis

Die Sache mit dem Humor

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Humor ist eine ernste Angelegenheit. Vor allem dann, wenn man seine Späße über andere macht. Da kann ein Schuss mal schnell nach hinten losgehen. Auf der anderen Seite lachen die Leute gerne und finden Menschen mit Humor sympathisch. Darum sollten  auch Sie und Ihr Verein die Mittel des Humors nutzen. Um Problemen mit anderen Gruppen aus dem Weg zu gehen, sollte man sich aber dabei besser selbst auf den Arm nehmen. Auch bei an sich ernsten Vereinsangelegenheiten kann eine Prise Humor nicht schaden, wenn man sich an einige Spielregeln hält. Denn wie gesagt: Humor ist eine ernste Sache.

Humor auf der Mitgliederversammlung?

An sich ist eine Mitgliederversammlung eine ernste Angelegenheit. Hier werden alle wichtigen Entscheidungen getroffen. Dennoch darf auch hier mit Humor gepunktet werden. Wenn beispielsweise der Rechenschaftsbericht des Schatzmeisters vorgestellt wird, handelt es sich meist um ein eher trockenes Zahlenwerk, das von den Mitgliedern nicht selten mit nur schwacher Aufmerksamkeit verfolgt wird. Hier kann ein wenig Humor Wunder wirken.

Möglich wäre beispielsweise, mit Karikaturen zu arbeiten, die zu den einzelnen Abschnitten des Berichts per Beamer oder Overhead an die Wand projiziert werden. So kann zur Eröffnung eine Karikatur mit einem Mann, der von einer Klippe herunterstürzt, mit dem Kommentar „Gestern standen wir am Abgrund, heute sind wir einen Schritt weiter“ versehen werden und den Bericht einleiten. Die Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben kann mit einer Boxszene kommentiert werden, bei der ein Hüne (Ausgaben) jubelnd vor einem am Boden liegenden schmächtigen Kerlchen (Einnahmen) steht. Bildunterschrift: KO in der dritten Runde.

Ganz mutige Redner nehmen sich selbst nicht zu ernst und kommen beispielsweise mit einem Rettungsring um den Bauch ans Rednerpult und beginnen ihren Vortrag mit den Worten: „Wenn einem das Wasser bis zum Hals steht, sollte man vorsorgen.“

Humorvolle Öffentlichkeitsarbeit

Die beste Möglichkeit, humorvoll zu agieren, ist, wenn man sich selbst nicht zu ernst nimmt. So hatte beispielsweise ein Tischtennisverein eine äußerst pfiffige und öffentlichkeitswirksame Idee. Der Verein aus Sachsen veranstaltet nun schon seit 2009 ein Turnier, das sich in der Bevölkerung steigender Beliebtheit erfreut. Es ist kein normales Turnier, denn die Spieler müssen statt mit ihren gewohnten Schlägern mit Frühstücksbrettchen spielen. Eine originelle, humorvolle Idee, die, wie die Praxis zeigt, sehr gut ankommt. 

Die Aktion hat den Verein bundesweit bekannt gemacht. Spieler aus allen Bundesländern nehmen inzwischen an dem witzigen Turnier teil – und es können immer mehr (zahlende!) Zuschauer verbucht werden.

Auch Ihr Verein kann durch originelle, humorvolle Aktionen auffallen. Gesangsvereine sollten sich beispielsweise überlegen, ob man kein A-cappella-Ensemble zusammenstellen kann, das die Auftritte mit humoristischen Liedern auflockert. Auch Sportvereine können mit Showprogrammen punkten, bei denen zum Beispiel turnerische Leistungen in einer komischen Form dargestellt werden. Häufig haben solche Gruppen übrigens noch einen interessanten Nebeneffekt: Sie werden von anderer Seite engagiert, was noch den einen oder anderen Euro in die Vereinskasse spülen kann.

Darauf sollten Sie achten

Aber, wie bereits gesagt: Humor ist letztlich eine ernste Sache. Schnell kann das, worüber man selbst herzhaft lachen kann, bei anderen alles andere als Heiterkeit auslösen. Darum sollte man sich genau überlegen, wie man sich äußert, damit der Schuss nicht nach hinten losgeht.

Gerade in der letzten Zeit stehen beispielsweise religiöse Themen in einem spannungsgeladenen Fokus, sodass man hier Scherze jeder Art vermeiden sollte. Das gilt für jede Religion. Ein Scherz über den Papst kann strenggläubige Katholiken ebenso verletzen wie Witze über den Rabbiner den Juden oder die Scherze über den Imam den Mohammedaner.

Auch politische Scherze können sich als unpassend erweisen. Auf der einen Seite können sie im Widerspruch zur politischen Neutralität des Vereins stehen – auf der anderen Seite kommen gerade parteipolitische Witze bei Mitgliedern schlecht an – und das können auch die eigenen Vereinsmitglieder sein.

Schließlich sollte man auch auf das Publikum achten. Ein Scherz sollte von allen verstanden werden können. Auf Kinder und Jugendliche sollte man ein besonderes Augenmerk haben.

Wenn Sie nun das Gefühl haben, dass es keine Scherze gibt, mit denen man bei keinem aneckt, haben Sie bis zu einem gewissen Grade sogar recht. Doch es gibt eine ganze Reihe von hervorragenden deutschen Komikern, die bewiesen haben, dass man einen ganzen Saal ohne Sex, Politik und Religion zu Lachstürmen hinreißen kann. Denken Sie an die Gedichte von Heinz Erhard oder an die Sketche von Loriot (wobei Letzterer durchaus auch mal kräftig austeilen konnte).

 

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Foto: © Hartmut Fischer, WortMacht
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Hartmut Fischer ist Inhaber von Wort Macht – Textservice & Ideenschmiede.


Er war Pressesprecher und PR-Leiter eines weltweit agierenden Softwarehauses und ist seit 2005 als ...

Hartmut Fischer

 Vereins-Tipp

Wenn Ihnen also nichts einfällt, dann schauen Sie mal bei diesen und anderen Meistern des Humors nach. Es spricht dann auch nichts dagegen, wenn man hier das eine oder andere Zitat übernimmt – natürlich mit Quellenangabe („Aber, wie sagte schon Heinz Erhard?“).