Dienstag, 22.03.2016 | Autor: Prof. Gerhard Geckle, Foto: © GOODSHOOT

Was macht man mit seinen Verlusten bei Übungsleitertätigkeiten?

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Worum geht´s in diesem Thema
  • Übungsleitertätigkeit

Es gibt die erfreuliche Regelung, dass seit 2013 jeder engagierte Übungsleiter von seinem gemeinnützigen Verein oder Verband bei Nutzung des persönlichen Freibetrags eine Vergütung für pädagogische/ betreuerische Tätigkeiten erhalten kann (§ 3 Nr. 26 EStG – Einkommensteuergesetz). Im Jahr können bis zu 2.400 Euro netto gezahlt werden (bei monatlicher Abrechnung bis zu 200 Euro).  

Voraussetzung hierfür ist ein nebenberufliches bezahltes Engagement als Ausbilder, Trainer, für die Fort- oder Ausbildung im steuerbegünstigten Bereich der gemeinnützigen Vereine/Verbände. Egal, ob Sport, Musik, Kultur oder auch im wissenschaftlichen Bereich. Außerdem können zudem u.a. Personen diese Möglichkeit nutzen, die als Hausfrau/Hausmann, Rentner, Pensionär oder Schüler/Student keine Hauptbeschäftigung daneben ausüben. Auch Beziehern, etwa von Arbeitslosengeld oder Hartz IV, kann dieser Betrag gewährt werden. Diese monatliche Vergütung bleibt sogar beim Leistungsbezug anrechnungsfrei.

Man kann davon ausgehen, dass bei Einhaltung der Freibetragsgrenzen auch die Vorgaben nach dem Mindestlohngesetz (Mindestlohnsatz von 8,50 Euro) entfallen, bei arbeitsrechtlicher Beurteilung und bei Berücksichtigung des ehrenamtlichen Engagements nicht als Leistungsanreiz.

Soweit der Rahmen und die Vorgaben hierzu.

Häufig jedoch fallen für viele Übungsleiter/Trainer, gerade im Sport- oder dem weiten Musikumfeld, nicht so hohe Eigenkosten an, sodass sich immer häufiger die Frage stellt, ob man diese Kosten und Eigenaufwendungen steuerlich berücksichtigen kann.

Geht es nach der Finanzverwaltung, können die Kosten nur berücksichtigt werden, wenn

  • die Ausgaben, begriffsunabhängig als Werbungskosten oder Betriebsausgaben, mit den erzielten steuerfreien Einnahmen nach § 3 Nr. 26 EStG im erkennbaren wirtschaftlichen Zusammenhang stehen und
  • saldiert die Einnahmen mit den Ausgaben rein rechnerisch auch noch den Übungsleiterfreibetrag von 2.400 Euro jahresbezogen übersteigen.

Steuerlich spürbar war daher bislang nur der Betrag, der als Verlust über dem Freibetrag von 2.400 Euro liegt. Wie sieht es jedoch aus, wenn die steuerfreien Einnahmen den Steuerfreibetrag nicht übersteigen? Also bei bescheidenen Vergütungen und einem dennoch nachgewiesenen hohen Eigenaufwand? Kann man Eigenaufwendungen tatsächlich nur dann steuerlich geltend machen, wenn sowohl die erzielten Einkünfte als auch die Ausgaben den Übungsleiterfreibetrag übersteigen?

 

Beispiel:

Eine nebenberuflich aktive Sportübungsleiterin erhält von Ihrem Verein jährlich eine Gesamtvergütung von 1.200 Euro. Da dies durch den Freibetrag der Höhe nach steuerfrei/sozialversicherungsfrei bleibt, wird dies netto ausgezahlt. Für ihre selbst angeschafften Trainingsgeräte, für den Kauf von Übungsmaterial und für angefallene Fahrkosten bei der Begleitung von Sportlern zu Auswärtswettkämpfen, fallen im Jahresrückblick bei ihr aber fast 1.500 Euro insgesamt an. Den festgestellten Verlustbetrag macht die Übungsleiterin bei ihrer Einkommensteuer-Erklärung geltend. Mit Zugang des Einkommensteuer-Bescheids für 2015 teilt das Finanzamt mit, dass ein Verlust nicht berücksichtigt werden kann, da der Freibetrag von 2.400 Euro  nicht überschritten wurde, wenn auch ansonsten die erzielten Einkünfte mit 0 Euro festgesetzt wurden.

 

Aktuell kommt nun aber die Finanzgerichtsrechtsprechung zu anderen, günstigeren Ansichten:

So stellte das Finanzgericht Rheinland-Pfalz bereits fest, dass das besondere, bereits im Gesetzestext vorgesehene Abzugsverbot nach Sinn und Zweck darauf beschränkt ist, dass es nur für den Betrag der erzielten steuerfreien Einnahmen gilt (Urteil vom 25.05.2011, Aktenzeichen 2 K 1996/10). Liegen somit, wie in unserem Beispiel, die selbst angefallenen Aufwendungen bereits über den tatsächlich erzielten Einnahmen, können sie als Verlust berücksichtigt werden, soweit die Aufwendungen betragsmäßig den steuerfrei erzielten Vergütungsbetrag übersteigen.

Auch das Finanzgericht Berlin-Brandenburg hat diese positive Auffassung als Einzelfallentscheidung bestätigt (Urteil vom 05.01.2007, Aktenzeichen 7 K 3121/05 B). Gegen diese beiden Urteile wurden vom Finanzamt keine Rechtsmittel eingelegt. Die Urteile wurden bestandskräftig.

Nun wurden aber weitere positive Urteile bekannt, mit denen eine höchstrichterliche Klärung beim Bundesfinanzhof (BFH) in München eingeleitet wurde:

  • FG Mecklenburg-Vorpommern, Urteil vom 16.06.2015, Aktenzeichen 3 K 368/14: Nichtzulassungsbeschwerde gegen die versagte Revisionszulassung beim BFH eingelegt, Aktenzeichen VIII B 73/15;
  • FG Thüringen, Urteil vom 30.09.2015, Aktenzeichen 3 K 480/14: Revision eingelegt beim BFH, Aktenzeichen: III R 23/15. 

Tipp: Soweit aus nebenberuflicher begünstigter Übungsleitertätigkeit Steuerverluste anfallen und die Ausgaben den erzielten Einnahmebetrag übersteigen, sollten Steuerzahler gegen die Ablehnung der Verlust-Anerkennung fristwahrend Einspruch einlegen. Gleichzeitig sollte man beantragen, das Einspruchsverfahren ruhen zu lassen, bis der BFH zu den anhängigen Musterverfahren (VIII B 73/15 und III R 23/15) abschließend entschieden hat.

 

Hinweis: Eine vergleichbare Vorgabe zum möglichen Verlustabzug enthält auch die Steuerregelung nach § 3 Nr. 26a EStG zum sogenannten Ehrenamtsfreibetrag. Auch hierfür gilt derzeit noch die Vorgabe, dass beim nebenberuflichen Engagement nur dann die Ausgaben als Werbungskosten (bei Anstellungsverhältnissen beim Verein) oder als Betriebsausgaben (bei nebenberuflicher selbstständiger Tätigkeit) anerkannt werden können, wenn dieser berücksichtigungsfähige Eigenaufwand insgesamt den Betrag der steuerfreien Einnahmen übersteigt. Hierzu liegt offenbar noch keine richterliche Entscheidung vor.

 

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Foto: © Online-Redaktion verein-aktuell.de
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Prof. Gerhard Geckle ist Fachanwalt für Steuerrecht und selbstständiger Rechtsanwalt in der Kanzlei Dr. Stilz, Behrens & Partner mit Sitz in Freiburg.

Prof. Geckle ist u. a. Referent ...

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