Mittwoch, 11.04.2018 | Autor: Prof. Gerhard Geckle, Foto: © Corbis

Mehr Steuersparchancen für Übungsleiter/Trainer!

Foto: © Corbis
Worum geht´s in diesem Thema
  • Übungsleiter
Stichworte zu diesem Thema

Der Bundesfinanzhof, unser höchstes deutsches Steuergericht, stellte soeben klar:

 

Wer als Sporttrainer tätig ist und von seinem gemeinnützigen Sportverein für die nebenberufliche begünstigte Übungsleitertätigkeit eine unter dem geltenden Freibetrag liegende Vergütung erhält, kann die bei ihm angefallenen Eigenaufwendungen als Verlust geltend machen, soweit diese über der erhaltenen Vergütung im Einzelfall liegen.

 

Denn bislang vertrat die Finanzverwaltung die strenge Auffassung, dass bei erhaltenen Vergütungen nach § 3 Nr. 26 Satz 2 EStG (dem ÜL-Freibetrag von 2.400 Euro) allenfalls dann ein angefallener Eigenaufwand steuerlich berücksichtigt werden könnte, wenn man mit seinen Gesamtausgaben rein rechnerisch betrachtet über dem Jahres-Übungsleiterfreibetrag lag.

War die nebenberuflich erzielte Übungsleiter- oder Trainervergütung hingegen – wie vorliegend – geringer als der mögliche Jahresfreibetrag von 2.400 Euro, konnte der angefallene Eigenaufwand, etwa für Fahrkosten, Ausrüstung etc. nicht als steuermindernder Verlust bislang berücksichtigt werden.

Der BFH gibt nun vor: Auch wer im laufenden Kalenderjahr nur gezahlte Vergütungen von seinem gemeinnützigen Sportverein erhält, die unter dem möglichen Freibetragsvolumen von 2.400 Euro liegen, kann, wenn angefallen, seine nachgewiesenen Eigenaufwendungen nach § 3c EStG abziehen, soweit diese die tatsächlich erzielten Einnahmen jahresbezogen übersteigen.

Fundstelle: BFH, Urteil v. 20.12.2017, III R23/15

 

Anmerkung: Diese neue Rechtsprechung gilt auch für andere steuerbegünstigte nebenberufliche Tätigkeiten, etwa für pädagogisch/betreuerisches bezahltes Engagement, im Musikbereich, für Pflegetätigkeiten/betreuerische Leistungen, im Kulturbereich etc.

Danach darf man nun seinen Eigenaufwand steuerlich auch dann geltend machen, selbst dann, wenn die vom Verein/Verband erhaltenen steuerfreien Einnahmen nach § 3 Nr. 26 EStG den gesetzlich vorgegebenen Maximalfreibetrag von 2.400 Euro noch nicht übersteigen.

Im Ausgangsfall erhielt eine nebenberuflich aktive Sporttrainerin eine Jahresvergütung von 1.200 Euro, wegen ihrer Fahraufwendungen und des Eigenaufwands für Wettkämpfe hatte sie nachgewiesene Ausgaben von über 4.000 Euro in diesem Jahr. Das FA anerkannte diesen angefallenen Verlust nicht in ihrer ESt-Erklärung. Ähnlich entschied dann das FG Thüringen.

Das (negative) Ausgangsurteil des FG Thüringen v. 30.09.2015, 3 K 480/14, wurde nun im Revisionsverfahren aufgehoben.

Allerdings legt der BFH am Rande nun großen Wert auf die Feststellung und Beurteilung durch die Finanzämter, ob wegen des häufig auch vorhandenen ehrenamtlichen Engagements eine „Gewinnerzielungsabsicht“ gegeben ist und damit eine Liebhaberei ausscheidet.

Foto: © Online-Redaktion verein-aktuell.de
Foto: © Online-Redaktion verein-aktuell.de

Es schreibt für Sie

Prof. Gerhard Geckle ist Fachanwalt für Steuerrecht und selbstständiger Rechtsanwalt in der Kanzlei Dr. Stilz, Behrens & Partner mit Sitz in Freiburg.

Prof. Geckle ist u. a. Referent ...

Prof. Gerhard Geckle