Dienstag, 25.10.2016 | Autor: Prof. Dr. Ronald Wadsack, Foto: © MEV Verlag GmbH

Freiwillige Tätigkeit + Geld = Monetarisierung

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Worum geht´s in diesem Thema
  • Ehrenamt
  • Freiwillige Tätigkeit

Das Thema ist nicht neu: Was hat Ehrenamt mit der Zahlung von Geld zu tun? Mit der häufig angesprochenen Schwierigkeit, genug Ehrenamtliche zu finden, rückt diese vermeintliche Lösung schnell in den Blick. Ist es wirklich eine Lösung für das Ehrenamt, durch Bezahlung Menschen anzulocken, oder ist es die Verschiebung von ehrenamtlicher Tätigkeit in die bezahlte Arbeit? 

Neben der finanziellen Belastung für die Freiwilligenorganisationen hat dies auch ganz viel mit dem Außenbild einer Freiwilligenorganisation zu tun. Denn die Bereitschaft zu ehrenamtlicher Arbeit drückt ja das Engagement und den Einsatzwillen für gesellschaftlich wichtige Themen aus.

 

Woher kommt diese Diskussion?

In den letzten Jahren hat sich die Diskrepanz in der öffentlichen Diskussion vergrößert. Einerseits hat das freiwillige und unentgeltliche Engagement eine große Bedeutung für die Gestaltung und die Qualität der Gesellschaft und damit der Lebenswirklichkeit für viele Menschen. Andererseits wird in verschiedenen Zusammenhängen ein Mangel an Engagierten bzw. an Engagement proklamiert.

Eine weitere Facette bildet der Freiwilligensurvey des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der auch 2014 wieder Hinweise gibt, dass noch unerschlossene Engagementbereitschaft in der Bevölkerung zu finden sei.

Dennoch verspürt ein Teil der Freiwilligenorganisationen einen Mangel, wobei es hier nicht der Raum ist, um auf eine detaillierte Ursachensuche zu gehen. Neben organisationsspezifischen Problemen der Führung, Organisation und des vereinsinternen Umgangs mit der Ressource ehrenamtlicher Mitarbeit tragen auch gesellschaftliche Veränderungen zu möglichen Schwierigkeiten bei.

Entwicklungen der Arbeits- und Schulsituation oder der familiären Möglichkeiten zur Sicherung des Familieneinkommens führen dazu, dass sich die Möglichkeiten und Realitäten freiwilligen Engagements verändern. Die verfügbare Zeit der Menschen wird knapper und die Möglichkeiten der Zeitverwendung sind vielfältig. Der Verein muss sich darauf einstellen.

Auf der anderen Seite ist in einer geldorientierten Gesellschaft die Lösung eines Themas mittels Geldleistung relativ schnell im Blick. Hinzu kommt, dass Geld als Zwischentauschgut vielfache Einsatzmöglichkeiten erbringt. Im Zweifelsfall kann sich der Geldempfänger damit seine ganz persönlichen Wünsche selbst erfüllen. Eine Sachleistung als Anerkennung ist da weit weniger flexibel.

Ein anderer und heute vielfältig angesprochener Lösungsansatz wäre die ausgiebige Auseinandersetzung mit dem Thema der ehrenamtlichen Mitarbeit im eigenen Verein. Möglicherweise verbunden mit einer Organisationsentwicklung, um die Aktivitätsmöglichkeiten den heutigen Anforderungen bzw. Möglichkeiten seitens der interessierten Menschen anzupassen. Das Schlagwort dazu heißt „Freiwilligenmanagement“, es bedeutet, das Thema der unbezahlten Mitarbeit ganz bewusst in den Mittelpunkt der Führungsarbeit im Verein zu stellen. Daraus folgt dann eine intensive Auseinandersetzung, wie beispielsweise die Entwicklung einer Engagementkultur, der Aufbau eines Mitarbeitermarketings und die Verbesserung der Anerkennungskultur.

Nur – dies ist ein sehr aufwendiger Prozess, der auch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Damit erscheint der Ruf nach einem finanziellen Ausgleich manchmal als der einfachere Weg. Jedoch verändert er den Charakter der Mitarbeit und des Vereins, darüber muss man sich als Vereinsführung bewusst sein.

 

Mitarbeit im Verein kann vielfältig sein

In diesem Beitrag steht die unbezahlte Tätigkeit im Vordergrund. Sie kann in Form eines Wahlamtes als dem klassischen Ehrenamt oder in unterschiedlichsten Umfängen als freiwillige Mitarbeit stetig ohne Wahlamt, projektbezogen oder als kurzzeitige Hilfe stattfinden.

Relativ nahe dabei sind die Freiwilligendienste, wie Freiwilliges soziales Jahr, Freiwilliges ökologisches Jahr oder der Bundesfreiwilligendienst. Für einen begrenzten Zeitraum wird damit eine vertragliche Arbeitsbeziehung eingegangen, die mit einer geringen Bezahlung verbunden ist.

Eine weitere Möglichkeit ist, im Verein bezahlte Mitarbeiter einzusetzen, welche vom Minijob über die Teilzeittätigkeit bis hin zur Vollzeitarbeit reichen und eine entsprechende Bezahlung erhalten. Honorarkräfte sind nicht bei dem Verein angestellt, erhalten aber für die erbrachten Leistungen eine angemessene Bezahlung vom Verein. Eine Untergruppe bilden Auszubildende z. B. als Bürokaufleute, die eine Bezahlung für ihre Arbeitszeit erhalten und mit dem Ziel einer Berufsausbildung in dem Verein tätig sind.

Eine Mischform bilden Mitarbeiter in verschiedenen geförderten Arbeitsverhältnissen, mit dem z. B. Langzeitarbeitslose wieder an das Arbeitsleben herangeführt werden sollen. Die Mitarbeit ist im Grunde eine bezahlte Form, ein Teil des Geldes wird aber aus einer öffentlichen Kasse zugesteuert.

Es ist vollkommen legitim, diese Varianten vor dem Hintergrund der Arbeit des eigenen Vereins und seiner finanziellen Leistungsfähigkeit zu prüfen. Der begründete Einsatz unterschiedlichster Formen der Mitarbeit kann das Ergebnis weitsichtigen Führungshandelns sein.

 

Geld und Ehrenamt – Bezüge

Es gibt verschiedene Bezüge für Ehrenamt und Geld:

Auslagenerstattung gegen Beleg

Mit der freiwilligen Tätigkeit können auch immer Ausgaben verbunden sein. Seien es Fahrtkosten, der Kauf von Büromaterial oder Kommunikationskosten. Wobei letztere in heutigen Zeiten der Flatrates nur noch wenig Bedeutung haben.

Es erscheint nachvollziehbar und selbstverständlich, dass ein Mensch diese durch die Vereinsarbeit veranlassten Kosten erstattet bekommt. Wenn sie mit der Vereinsführung abgestimmt sind. Die aus eigener Entscheidung erfolgte Teilnahme z. B. an einem Workshop, so sinnvoll dieser inhaltlich ist, kann finanziell im Nachhinein nicht dem Verein in Rechnung gestellt werden.

Auslagenpauschale

Mit dem Verweis auf die Entbürokratisierung wird gerne begründet, dass die Erstattung von Auslagen pauschaliert wird. Seit 2013 gibt es die Ehrenamtspauschale von maximal zurzeit 720 Euro pro Jahr, welche als steuerfreie Leistung seitens des gemeinnützigen Vereins gezahlt werden kann. Ein separater Nachweis einzelner Auslagen ist dabei nicht erforderlich.

Bezahlung von Arbeitszeit

Eigentlich steht dieses Thema mit dem Gedanken des freiwilligen und ehrenamtlichen Engagements in Konflikt. Es geht ja gerade um die unentgeltliche Tätigkeit. Dennoch verschwimmen in einzelnen Darstellungen und Diskussionen die Abgrenzungen. Manchmal werden sogar Honorarkräfte als Ehrenamtliche vereinnahmt.

Hinzu kommen weitere Aspekte, welche eine indirekte Verbindung mit Geld aufweisen. So wurde der Erwerb von Rentenpunkten in die Diskussion gebracht, eine sich also im späteren Lebensabschnitt finanziell auswirkende Form der finanziellen Vergütung. Ebenfalls dazu zählen Steuerfreibeträge.

 

Individuelle Situation und Geld

Es ist schon ein Unterschied, mit welchem Verständnis ich einer Zahlung gegenüberstehe. Wenn ich z. B. eine Ehrenamtspauschale von 500 Euro pro Jahr erhalte und bei genauerer Betrachtung nur 250 Euro reale Ausgaben habe, wären also 250 Euro eine Überzahlung, die zum freien Konsum zur Verfügung steht. Dies erscheint zunächst, als einmaliger Betrag im Jahr, gering. Es wären umgerechnet etwa 20 Euro pro Monat.

Dies mag für den normal verdienenden Menschen, der für sich und seine Familie ein Auskommen hat, ein kaum spürbarer Geldzufluss sein. Wenn wir aber einen Menschen mit sehr geringem Einkommen oder einen Studierenden anschauen, so kann eine solche Zahlung schon einmal ein wichtiger Geldzufluss sein, um die Finanzlage in kleinem Maße zu verbessern. Damit verbindet sich auch die Hoffnung oder Erwartung an eine Versteigung dieser Zahlung.

Dies gilt umso mehr, wie z. B. kleine Honorare als Zahlungen mit unter den Begriff der ehrenamtlichen Arbeit gefasst werden.

In diesem Sinne ist auch ein Freiwilligendienst keine ehrenamtliche Tätigkeit in Sinne dieses Beitrages, auch wenn der Begriff „freiwillig“ in der Bezeichnung enthalten ist. Gerade die unabhängig von Auslagen erfolgende Geldleistung kann den beschriebenen Charakter der Bezahlung annehmen.

 

Was bedeutet das nun für den Verein?

Es ist überhaupt kein Problem, wenn ein Verein feststellt, dass er seine wertvolle Leistung nur mit einem teilweisen Einsatz von bezahlten Mitarbeitern erbringen kann. Ist dies finanzierbar, so kann es eine folgerichtige und vernünftige Entscheidung sein.

Bei dem Umgang mit dem Begriff freiwillige, ehrenamtliche, unentgeltliche Mitarbeit ist es wichtig, dass der Verein eine klare Linie verfolgt. Es muss deutlich gemacht werden, wie das Verständnis des Vereins zu diesem Thema ist. Am besten geschieht das mit einer transparenten und für alle Mitglieder und Interessenten erkennbaren Positionierung des Vereins. Schädlich kann es sein, wenn Gerüchte über Geldflüsse für ehrenamtliche Mitarbeit aufkommen oder Mitarbeiter ungleich behandelt werden.

Eine entsprechende Erklärung zum Umgang mit Auslagenerstattungen und die Positionierung zum eigenen Verständnis von ehrenamtlicher bzw. freiwilliger Mitarbeit kann dazu eine sehr gute Grundlage sein. Wenn diese von der Mitgliederversammlung verabschiedet wurde, erhält sie auch die Legitimation für die vereinsinterne Arbeit.

Zugleich gibt eine solche Erklärung ein Signal an das Umfeld des Vereins und kann das eigene Verständnis von gesellschaftlichem Engagement sehr gut betonen.

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Foto: © Online-Redaktion verein-aktuell.de
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Dr. Ronald Wadsack ist Professor für Sportmanagement an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften.

 

Er hält regelmäßige Lehrveranstaltungen, vor allem zu ...

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