Mittwoch, 20.12.2017 | Autor: Prof. Gerhard Geckle, Foto: © Corbis

Zur Einnahmen-Überschuss-Rechnung 2017 bei Vereinen

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Worum geht´s in diesem Thema
  • Einnahmen-Überschuss-Rechnung im Verein

Mit den nun vorliegenden Vordrucken für die Anlage EÜR 2017 kommt es zu einigen Änderungen, die auch für Vereine von Bedeutung sind.

 

Eigener statt amtlicher Vordruck für die Einnahmen-Überschuss-Rechnung

Neu ist, dass man als Steuerpflichtiger, egal ob Verein oder auch Kleinunternehmer, dem Finanzamt einen eigenen Vordruck erstellen oder eine selbst angefertigte Einnahmen-Überschuss-Rechnung übermitteln kann. Man muss also den ausgefüllten umfangreichen amtlichen Vordruck nicht mehr zwingend vorlegen. Bislang galt diese Erleichterung nur, wenn die Betriebseinnahmen für 2016 und früher nicht über 17.500 Euro jährlich betrugen.

 

ELSTER grundsätzlich Pflicht

Für das Steuerjahr 2017 kann nur noch auf Antrag in Härtefällen von der Pflicht zur Übermittlung der standardisierten Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz durch Fernübertragung (ELSTER – www.elster.de) abgewichen werden. Dann müssen hierfür allerdings die von den Finanzämtern zur Verfügung gestellten (amtlichen) Papiervordrucke genutzt werden.

 

Elektronische Übermittlung der Anlage EÜR nur bei Körperschaftsteuerpflicht

Für gemeinnützige Vereine/Verbände gilt eine wichtige Ausnahmeregelung. Man muss die Anlage EÜR grundsätzlich nur dann jährlich abgeben, wenn der gemeinnützige Verein/Verband körperschaftsteuerpflichtig wird.

Das heißt, dass die elektronische Übermittlung des Vordrucks EÜR entfällt, wenn die Brutto-Gesamteinnahmen im steuerpflichtigen Bereich des einheitlichen wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs unter 35.000 Euro im Kalenderjahr 2017 liegen. Wird diese Grenze nicht überschritten, reicht es, wenn eine formlose Einnahmen-Überschuss-Rechnung beim Finanzamt eingereicht wird.

 

Härtefallregelungen

Wird die 35.000-Euro-Grenze überschritten, kann man gegebenenfalls einen Härtefallantrag stellen. In begründeten Einzelfällen wird man dann von dem nicht einfachen Weg über die Datenfernübertragung nochmals verschont. Gründe hierfür können beispielsweise sein: eine eigene Vereinsbuchhaltung, das erstmalige Überschreiten dieser Grenze, PC-Ausstattungsprobleme usw.

 

Fazit

Augenscheinlich will man künftig auch die Vereine/Verbände zur Erfüllung der steuerlichen Pflichten in das ELSTER-Datenfernübermittlungssystem integrieren. Die Zeit dürfte bald vorbei sein, wo Finanzämter die Abgabe einer formlosen, selbst erstellten Einnahmen-Überschuss-Rechnung auf eigenem Formular statt dem FA-Vordruck noch allgemein akzeptieren werden.

 

Mittelverwendungsrechnung im Fokus der Finanzamtsprüfung

Vereine, die ihre Einnahmen-Überschussrechnung im Regelfall nach § 4 Abs. 3 EStG erstellen, müssen bei Finanzamtsprüfungen damit rechnen, dass dabei auch die Mittelverwendungsrechnung überprüft wird. Insbesondere wird hier die Vorschrift geprüft, ob bis zum Ende des jeweiligen Geschäftsjahres angesammelte Geldmittel (Vereins-Konten und Kassen) innerhalb von zwei Jahren wieder für steuerbegünstigte Zwecke ausgegeben werden.

Alternativ muss der gemeinnützige Verein/Verband sonst eine zulässige Rücklagenbildung für seine vorhandenen Mittel nachweisen. Welche Rücklagen von den Kapitalreserven gebildet wurden, muss bei Abgabe der Steuererklärung in der Anlage GEM angegeben werden. Zudem sollte zumindest über ein Vorstandsprotokoll hervorgehen, welche Rücklagen konkret für das anstehende Jahr oder gleich auch die beiden anstehenden Jahre gebildet wurden.

 

Wichtig:

Für die mögliche Rücklagenbildung nach § 62 AO müssen die vorgesehenen Kapitalreserven nicht auf einem bestimmten, separaten Konto angesammelt werden. Sie können über die Vereinskonten einfach mitgeführt werden. Die Mittelverwendung für steuerbegünstigte Zwecke – also nicht etwa zur Verwendung im wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb –  ist Dauerprüfungsthema und sollte unbedingt aus gemeinnützigkeitsrechtlichen Gründen unbedingt beachtet werden!

 

Bilanzierende Vereine/Verbände

Vereine/Verbände, die zur Erstellung einer Bilanz verpflichtet sind, müssen den Inhalt der Bilanz sowie die Gewinn- und Verlustrechnung elektronisch als E-Bilanz nach amtlich vorgegebenem Datensatz an das Finanzamt übermitteln.

Diese Vorgabe gilt bereits seit 2015 für steuerbegünstige Körperschaften. Eine Ausnahme gilt lediglich für Körperschaften, die gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Zwecken dienen. Sie sind vollumfänglich von der Körperschaftsteuer befreit.

 

Fundstelle:

BMF, Mitteilung v. 30.03.2017 sowie amtliche Bekanntgabe zur standardisierten EÜR nach § 60 Abs. 4 EStDV v. 09.10.2017; aktuell auch Ministerium der Finanzen des Landes Sachsen-Anhalt, Pressemitteilung v. 21.11.2017.

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Foto: © Online-Redaktion verein-aktuell.de
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Prof. Gerhard Geckle ist Fachanwalt für Steuerrecht und selbstständiger Rechtsanwalt in der Kanzlei Dr. Stilz, Behrens & Partner mit Sitz in Freiburg.

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