Dienstag, 23.05.2017 | Autor: Susanne Kowalski, Foto: © MEV Verlag GmbH

Finanzierung im Verein

Foto: © MEV Verlag GmbH
Worum geht´s in diesem Thema
  • Finanzierung im Verein
Stichworte zu diesem Thema

Im Rahmen der Finanzierung geht es um die Bereitstellung von Kapital für unterschiedliche Zwecke, wie z. B. Investitionsvorhaben, Überbrücken von Liquiditätsengpässen oder das Ablösen von Krediten. Dieser Beitrag zeigt Finanzierungsquellen auf und erläutert die damit verbundenen Konsequenzen.

 

Aus der Praxis

Durchaus kein Einzelfall: Die Verantwortlichen eines Tennisclubs in NRW diskutieren die Sanierung der Sanitäranlagen. Zwar steht die Notwendigkeit außer Frage, allerdings sind die finanziellen Mittel knapp. Neben der klassischen Kreditfinanzierung werden als potenzielle Finanzierungsquellen Spendenaufrufe, Beitragserhöhungen, Sonderumlagen und die Chancen auf Fördermittel diskutiert. 

 

HÄUFIGE PROBLEME BEI DER FINANZIERUNG

Fehlendes Kapital für notwendige Investitionen

Die finanziellen Mittel für anstehende Neu-, Erweiterungs- bzw. Ersatzinvestitionen sind begrenzt.

Liquiditätsengpass

In Zukunft ist zwar mit Einnahmen zu rechnen, jedoch müssen aktuell Verbindlichkeiten beglichen werden.

Kapitaldienst

Durch Zins- und Tilgungszahlungen erhöhen sich die Ausgaben des Vereins.

Fehlende Sicherheiten

Der Verein kann die von den Kreditgebern geforderten Sicherheiten nicht zur Verfügung stellen.

 

Das Wichtigste zum Thema Finanzierung

Je nachdem, woher die finanziellen Mittel für ein Finanzierungsvorhaben stammen, werden Eigen- und Fremdfinanzierung unterschieden. Bei der Eigenfinanzierung wird Eigenkapital von außen, z. B. durch eine Spende oder Sonderumlage, zugeführt. Fremdfinanzierung entspricht im Umkehrschluss der Zuführung von Fremdkapital, z. B. in Form eines Darlehens. Hierbei sind in erster Linie kurz- und langfristige Kredit- sowie die Subventionsfinanzierung von Bedeutung. Bei der kurzfristigen Kreditfinanzierung wird wie folgt unterschieden:

  • Lieferantenkredite (z. B. durch das Aushandeln von Zahlungszielen)
  • Kontokorrent- und Diskontkredite (bei Banken und weiteren Kreditgebern)
  • Kundenan- und -vorauszahlungen (z. B. im Vorfeld ganz oder teilweise entrichtete Kursgebühren).

Bei der langfristigen Kreditfinanzierung sind überwiegend Darlehen relevant. Die Subventionsfinanzierung unter anderem in Form von Fördermitteln und Spenden ist für Vereine eine beliebte und bedeutende Finanzierungsquelle.

 

Fremdkapital

Fremdkapital ist Kapital, das von Dritten, sog. Gläubigern, zur Verfügung gestellt wird. Dadurch erwirkt der Fremdkapitalgeber Anspruch auf (erfolgsunabhängige) Zins- und Tilgungszahlungen. Als Fremdkapitalgeber kommen für Vereine in erster Linie Folgende infrage:

  • Öffentliche Einrichtungen (Förderdarlehen)
  • Kreditinstitute
  • Private Kreditgeber (z. B. Mitglieder oder Förderer).

Öffentliche Förderdarlehen haben i. d. R. insbesondere gegenüber Kreditinstituten Vorteile, wie niedrigere Zinsen, feste Zinssätze, lange Laufzeiten und unter Umständen rückzahlungsfreie Zeiten.

 

TIPP: KREDITVERGLEICH

Im Falle der Kreditfinanzierung empfiehlt es sich, verschiedene Angebote einzuholen und zu vergleichen. Verlassen Sie sich nicht ausschließlich auf das Angebot Ihrer Hausbank.

 

Kreditfinanzierung

Ein Kredit- bzw. Darlehensvertrag ist ein Vertrag zwischen dem Kreditinstitut und dem Kreditnehmer und lässt sich nach folgenden vertraglichen Regelungen differenzieren:

  • Laufzeit des Kredits
  • Zeitraum der Zinsfestschreibung
  • Zinstermine (z. B. monatlich, quartalsmäßig, jährlich)
  • Tilgungstermine (vgl. Zinstermine)
  • Tilgungsmodalitäten (Ratentilgung, Annuitäten, tilgungsfreie Jahre)

Hinweis: Deutsche Kreditinstitute sind aufgrund des § 18 KWG zur Prüfung der Vermögensverhältnisse ihrer Kreditnehmer verpflichtet. Banken müssen für Kunden mit einer guten Bonität weniger Eigenkapital hinterlegen als für Kunden mit einem höheren Ausfallrisiko. Die Zahlungsfähigkeit hat somit Einfluss auf die Zinsen. Das hat zur Folge, dass das Ausfallrisiko detailliert geprüft und beurteilt werden muss. Zu diesem Zweck wird ein sog. Rating erstellt. Das Grundprinzip ist simpel. In Anlehnung an Schulnoten spiegelt sich die Bonität des Kreditnehmers wider (z. B. sehr gute Einstufung AAA, extrem schlechte Bewertung D).

Bei den Zinsen wird wie folgt unterschieden:

  • Konstante Zinsen: In der Regel wird ein vereinbarter Nominalzins, z. B. in Höhe von 5%, über die gesamte Laufzeit des Darlehens berechnet. Das hat den Vorteil, dass die Höhe der Belastung genau planbar ist.
  • Variable Zinsen werden in festgelegten Zeitabständen – i. d. R. vierteljährlich – neu an die aktuellen Konditionen des Marktes angepasst. Der Kreditnehmer trägt das Risiko steigender Zinsen.
  • Zinssprünge bedeuten sich ändernde Zinsen. Die Sprünge sind im Vorfeld bekannt (z. B. 1. Jahr: 3,00 % p. a., 2. Jahr: 3,20 % p. a., 3. Jahr: 3,40 % p. a.). 

Hinweis: Bei der Kreditfinanzierung werden Nominal- und Effektivzins unterschieden. Der Effektivzins ist für die Kapitalkosten des Kreditnehmers entscheidend. Er wird durch Nominalzinssatz, Laufzeit, Ausgabe und Rückzahlungskurs beeinflusst.

Die Rückzahlung eines Kredits erfolgt durch die Tilgung. Die Zinsen werden für den Restkreditbetrag berechnet, sofern während der Laufzeit eine Tilgung erfolgt. Im Zusammenhang mit der Rückzahlung werden im Wesentlichen drei Kreditvarianten unterschieden:

  • Beim Annuitätendarlehen bleibt die zu zahlende Rate pro Periode während der gesamten Laufzeit konstant. Da die Zinsen für das jeweilige Restdarlehen anfallen, fällt der Zinsanteil im Zeitverlauf. Der Tilgungsanteil steigt.
  • Beim endfälligen Darlehen werden über die gesamte Laufzeit nur Zinsen bezahlt. Die Tilgung des Darlehens erfolgt erst am Laufzeitende in einer Summe.
  • Im Falle der Zinssprünge hängt die Auswirkung auf die zu zahlenden Zinsen davon ab, ob Tilgungszahlungen, und wenn ja, in welcher Höhe erfolgen oder nicht. 

Hinweis: Nicht jeder Kredit wird in voller Höhe ausgezahlt. Häufig behalten die Banken einen Abschlag in Form des sog. Disagios ein. Beispiel: Bei einem Kredit von 10.000 Euro und einem Auszahlungskurs von 98 % werden lediglich 9.800 Euro ausgezahlt. Die 2 % Auszahlungsverlust in Höhe von 200 Euro werden auch als Damnum oder Abschlag bezeichnet.

Zins- und Tilgungsleistung bedeuten eine Liquiditätsbelastung für den Kreditnehmer. Dabei macht es für Kreditinstitute einen Unterschied, ob Sie einen Kredit für die Investition in ein Anlagegut oder zur Überbrückung eines Liquiditätsengpasses beantragen. Demzufolge ist zu unterscheiden, wofür die finanziellen Mittel verwendet werden:

  • Kapitalbedarf bei ungenügender Kapitalausstattung (z. B. Vereinserweiterung, Neu- oder Ersatzinvestitionen)
  • Vermögensumschichtung (z. B. Ablösung eines Kredits gegen einen anderen)
  • Überbrücken von Liquiditätsengpässen.

Hinweis: Mögliche Sicherheiten im Falle einer Kreditaufnahme sind u. a. Immobilien (Grundpfandrechte, Hypothek und Grundschuld), Forderungen, Bürgschaften und Eigentumsvorbehalt.

 

Selbstfinanzierung

Im Falle der Selbstfinanzierung sind für Vereine in erster Linie folgende Möglichkeiten relevant:

  • Umlagen-  und Beitragserhöhungen
  • Einnahmen aus dem wirtschaftlichen Geschäfts- oder Zweckbetrieb
  • Einnahmen aus Sponsoring.

Selbstfinanzierung ist mit folgenden Vorteilen verbunden:

  • Keine laufende Liquiditätsbelastung durch Wegfall von Zins- und Tilgungszahlungen
  • Stärkung des Eigenkapitals bei gleichzeitiger Unabhängigkeit von fremden Kapitalgebern
  • Verringerung der Krisenanfälligkeit
  • Keine Beanspruchung von Kreditsicherungsmitteln.

Hinweis: Selbstfinanzierung unterliegt i. d. R. keiner Zweckbindung, wobei jedoch gegebenenfalls der Satzungszweck des Vereins zu beachten ist.

 

Ermitteln des Kapitalbedarfs

Im Rahmen der Finanzierung ist zu klären, in welcher Höhe Kapitalbedarf besteht. Letzterer sollte schlüssig und nachvollziehbar dargelegt werden, damit sich ein realistisches Bild über Chancen und Risiken der Bereitstellung von Kapital ergibt. 

Hinweis: Anschaffungskosten spielen bei der Kapitalbedarfsermittlung eine entscheidende Rolle. Sie setzen sich i. d. R. aus verschiedenen Einzelpositionen zusammen. Neben der Auszahlung für das Anschaffungsgut sind sog. Anschaffungsnebenkosten zu berücksichtigen. Diese können unterschiedlicher Art sein:

  • Transaktionskosten (z. B. Rechtsbeistand)
  • Einführungskosten (z. B. Beratung, Montage)
  • Abwicklungskosten (z. B. Gerichtskosten). 

Nachdem berechnet wurde, mit welchem Betrag das Vorhaben zu Buche schlagen wird, ist zu ermitteln, wie viele Mittel zur Verfügung stehen und welcher Betrag durch externe Quellen zu finanzieren ist.

Zur Berechnung des Kapitalbedarfs hat sich folgendes Schema bewährt:

Gesamtkapitalbedarf

./. Barvermögen

./. Bankguthaben

./. zugesagte Zuschüsse und zugesagte Spenden

./. Sonstiges (z. B. erwartete Geldeingänge)

=  Kapitalbedarf

 

Finanzierungsalternativen

Neben der klassischen Form der Kreditfinanzierung und den Selbstfinanzierungsmaßnahmen haben Vereine u. a. folgende Möglichkeiten, dem Verein Kapital zuzuführen bzw. den Kapitalbedarf zu reduzieren:

Leasing: Langfristige Nutzungsrechte an Wirtschaftsgütern werden durch eine Art Mietvertrag erworben. Neben den Leasingraten kann in Abhängigkeit von der Ausgestaltung des Leasingvertrags eine Mietsonderzahlung anfallen. Im Unterschied zur Miete liegt die Gefahr beim Leasingnehmer. Die Belastungen durch den Leasingvertrag sind wirtschaftlich gesehen für den Leasingnehmer tendenziell teuer und sollten daher unbedingt im Rahmen eines Wirtschaftlichkeitsvergleichs mit der Belastung aus dem Kapitaldienst beim Kredit verglichen werden.

Lease and sale back: Sonderform des Leasings, bei der Vereinsanlagevermögen an eine Leasinggesellschaft verkauft wird. Der Kaufpreis wird ausgezahlt. Direkt im Anschluss wird das Wirtschaftsgut geleast.

Crowdfunding: Eine Art Spendenaufruf via Internet, bei der einer breiten Öffentlichkeit (Crowd) ein Projekt präsentiert wird, an dem sich Spender finanziell beteiligen können. Auf diese Weise besteht die Chance, Förderer zu gewinnen, die mit einem Betrag ihrer Wahl zu dem Projekt beitragen. Je attraktiver das Projekt, desto größer sind die Erfolgschancen.

Fördermittel: Finanzielle Unterstützung, u. a. in Form von Zuschüssen, Zuwendungen, Beihilfen, KfW-Darlehen durch z. B. Städte und Gemeinden, Kreise, Land, Staat, EU, Verbände oder Stiftungen.

 

TIPP: HAUSBANK

Kredite aus Fördertöpfen werden grundsätzlich über die Hausbank beantragt (sog. Hausbankprinzip), auch wenn diese von den Förderbanken des Bundes und der Länder angeboten werden. Sprechen Sie den Kundenberater unbedingt auf diese Möglichkeit an.

 

Ausblick: Nicht immer ist eine einzige Finanzierungsform zu empfehlen. Es sollten daher auch Kombinationen von Finanzierungsmöglichkeiten ins Kalkül gezogen werden.

Kommentare (0)

Kommentieren, ergänzen Sie jetzt den Artikel oder geben Sie dem Autor Feedback. Einfach anmelden und losschreiben.
Foto: © Online-Redaktion verein-aktuell.de
Foto: © Online-Redaktion verein-aktuell.de

Es schreibt für Sie

Susanne Kowalski verfügt über eine langjährige Berufserfahrung im Controlling.

Ihre Fachkompetenz gibt Sie jetzt seit 20 Jahren als Dozentin und Autorin weiter. Sie hat verschiedene ...

Susanne Kowalski