Mittwoch, 22.06.2016 | Autor: Prof. Gerhard Geckle, Foto: © MEV Verlag GmbH, Germany

Der Sport und die Gemeinnützigkeit

Foto: © MEV Verlag GmbH, Germany
Worum geht´s in diesem Thema
  • Mitgliedsbeiträge im Verein
  • Aufnahmegebühr im Verein
Stichworte zu diesem Thema

Keine Rückendeckung aus der Finanzverwaltung gibt es wieder einmal auf den Vorstoß beim Bundesfinanzminister, die bekannten, seit über 20 Jahren festgeschriebenen, der Höhe nach begrenzten Mitgliedsbeiträge und/  oder Aufnahmegebühren nun endlich der Höhe nach anzupassen.

Es gibt zwischenzeitlich zahlreiche Vereine, die mit Blick auf ihr Leistungsangebote die Mitgliedsbeiträge anpassen müssen. Vor allem im Sport- oder Freizeitbereich, um z.B. bei Wassersport- oder Flugsportvereine die immensen Kostenbelastungen für Steganlagen, Liegeplätze, für  wertvolle Ausrüstungen oder genutzte Sportgeräte noch auffangen zu können.

Der Grundsatz: Von gemeinnützigen Vereine wird verlangt, dass sie mit ihrer Tätigkeit und Zweckverfolgung die Allgemeinheit fördern müssen ( so § 52 der Abgabenordnung –AO-).

Jeder Interessent kann entsprechend der Satzungsregelung Vereinsmitglied werden.

Die Finanzverwaltung verlangt  jedoch zusätzlich als Verwaltungsanweisung, dass eine Mitgliedschaft eben nicht durch zu hohe Mitgliedsbeiträge und Aufnahmegebühren praktisch nicht mehr möglich ist.

Für den Sportbereich gilt hierfür bereits seit 1995 schon eine Begrenzung bei der Höhe, die nur bei der Euroeinführung umgerechnet wurde, sonst aber seither  starr weitergeführt wurde.

Gemeinnützigkeitsrechtlich gibt es für Vereine keine Probleme, wenn

  • der Mitgliedsbeitrag und etwaige Mitgliederumlagen zusammen im Jahresdurchschnitt noch unter dem Betrag von 1.023 Euro liegen und
  • etwaige Aufnahmegebühren für die in einem Vereinsjahr aufgenommen Mitglieder im Durchschnitt nicht über 1.534 Euro liegen.
  • Zudem dürften von Vereinen zwar zusätzliche Investitionsumlagen von künftigen Mitgliedern verlangt werden,  diese dürfen wiederum je Mitglied nicht über 5.114 Euro in einem 10- jährigen Zeitraum dann nach gemeinnützigkeitsrechtlichen Vorgaben liegen.

Aktuell leider gescheitert ist damit der Vorstoß eines südbadischen Sportverbands ( BSB Freiburg  e.V.), diese festgeschrieben Beträge nun doch endlich einmal anzuheben. Um es Sportvereinen darüber zu ermöglichen,  wegen des besonderen Aufwands für einzelne Sportarten auch im Einzelfall höhere erforderliche Beträge von ihren interessierten Mitgliedern zu verlangen, ohne dass damit der Verein seinen Gemeinnützigkeitsstatus verliert.

Die Steuerverwaltungen der Länder haben nun als Ergebnis ihrer Abstimmungsgespräche bereits im April 2016 sich wiederum darauf verständigt, dass man an der bisherigen monatlichen Belastungsgrenze von 85 Euro für Monatsmitgliedsbeiträge bzw. 128 Euro bei den Aufnahmegebühren festhält und dies der Höhe nach weiterhin als angemessen erachtet.

Auch wenn es ( Sport-) Vereine geben sollte, die nur mit höheren Beiträgen ihren Etat finanzieren können, riskiert man den Entzug der Gemeinnützigkeit oder kommt als Neugründung nicht in diesen wichtigen Status hinein. Also ein spürbarerer Verlust für die Vorteile im Spendenrecht, fehlende Zuschussmöglichkeiten bis hin zur Nichtberücksichtigung von besonderen Steuer-Freigrenzen und weiterer Steuervorteile als gemeinnützig anerkannter Verein/Verband hierdurch.

Fundstelle: Bundesminister der Finanzen, Schreiben vom 15.6.2016, IV C 4- S 0171/07/0015.

Fazit: Trotz teilweise veränderter Sportangebote mit hohen Anschaffungs- oder je nach Lage teuren Dauerunterhaltungskosten der Anlangen , bleibt es bei dieser Grenzen was somit nicht nur aktive  Golfvereine beachten müssen. Denn die das Finanzamt bindende Verwaltungsanweisung (AEAO zu § 52 AO) bleibt als Beurteilungsmaßstab für die Gemeinnützigkeit, denn dort aufgezählt sind übrigens auch weitere Hinweise zur Berechnung und  Differenzierung der Beitragshöhe für bestimmte Mitglieder.

Kommentare (0)

Kommentieren, ergänzen Sie jetzt den Artikel oder geben Sie dem Autor Feedback. Einfach anmelden und losschreiben.
Foto: © Online-Redaktion verein-aktuell.de
Foto: © Online-Redaktion verein-aktuell.de

Es schreibt für Sie

Prof. Gerhard Geckle ist Fachanwalt für Steuerrecht und selbstständiger Rechtsanwalt in der Kanzlei Dr. Stilz, Behrens & Partner mit Sitz in Freiburg.

Prof. Geckle ist u. a. Referent ...

Prof. Gerhard Geckle