Dienstag, 31.03.2015 | Autor: Hartmut Fischer, Betzdorf, Foto: © MEV Verlag GmbH, Germany

Beitragserhöhungen im Verein transparent machen

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Worum geht´s in diesem Thema
  • Beiträge im Verein
  • Finanzierung im Verein
  • Beitragserhöhung im Verein durchführen
  • Beitragserhöhung im Verein kommunizieren
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Bei einer ganzen Reihe von Vereinen steht immer mal wieder das Thema „Beitragserhöhungen“ auf der Tagesordnung. Dass niemand eine Erhöhung wünscht, ist von vorneherein klar. Umso wichtiger ist es, die Notwendigkeit zu verdeutlichen, um eine Mehrheit für die Beitragsanpassung zu erhalten.

Muss die Beitragserhöhung im Verein sein?

Erstaunlich, wie selten die Frage, ob eine Beitragserhöhung zu umgehen ist, gestellt wird. Diese Frage lässt sich nur klären, wenn man die Kosten und vor allem den Haushaltsplan für die nächsten Jahre genau prüft. Sind hier größere Posten zu finden, die danach nie mehr auftauchen? Dann sollte man mit den Mitgliedern über eine einmalige Zahlung reden. Alternativ kann man auch darauf verweisen, dass nach dem Ende der Maßnahme auch eine Beitragssenkung möglich sei. Allerdings ist dann die Skepsis der Mitglieder groß. Die allgemeine Erfahrung hat leider gelehrt, dass einmal beschlossene Erhöhungen so gut wie nie zurückgenommen werden – wobei sich dies nicht auf den Vereinsalltag bezieht. 

Neues Beitragskonzept im Verein

Wenn eine Beitragsanpassung notwendig wird, sollte man die Gelegenheit nutzen und auch das Beitragskonzept überdenken. Wenn der Verein zum Beispiel trotz attraktiver Angebote Nachwuchsprobleme hat, kann das auch mit einem unattraktiven Beitragskonzept zusammenhängen. Darum sollte der Verein attraktive Beitragsmodelle für Kinder und Jugendliche vorweisen können. Je nach Verein machen Sondertarife für Paare und Familien mit Kindern ebenfalls Sinn. Aber auch eher unübliche Modelle können interessant sein. So wäre ein Opa-Enkel-Tarif vielleicht interessant.

Wichtig: Das neue Beitragskonzept soll den Verein attraktiver machen. Es kann und soll nicht darum gehen, dass eine Beitragsanpassung verschleiert wird.

Kann den Mitgliedern im Verein mehr geboten werden?

Menschen erwarten für eine Leistung eine Gegenleistung. Das ist auch bei Vereinsmitgliedern so. Darum sollte man überlegen, ob man den Mitgliedern nicht im Gegenzug zur Beitragserhöhung (weitere) Vergünstigungen einräumen kann. Damit ließe sich bei der Mitgliederversammlung sicher punkten.

Prüfen Sie aber genau, ob durch die Vergünstigung nicht die Beitragserhöhung aufgefressen wird und vor allem ob sie auch rechtlich möglich und satzungsgemäß zulässig ist.

Rechenschaftsbericht als Argumentationshilfe

Im Rechenschaftsbericht lässt man das Vereinsjahr noch einmal Revue passieren. Hier wird deutlich, wo der Verein sein Geld ausgibt. Darum sollte man sich gerade bei einer Mitgliederversammlung, in der auch die Frage der Beitragserhöhung ansteht, um einen besonders lebendigen Rechenschaftsbericht bemühen, der anhand von Presse-Ausschnitten, Fotos und anderen visuellen Mitteln unterstreicht, was der Verein geleistet hat und worauf die Mitglieder stolz sein können. Hier kann man dann auch durchaus darauf hinweisen, was der Verein für die verschiedenen Aktivitäten investieren musste.

Bilder helfen weiter

Geht es dann um die Beitragserhöhung selbst, versuchen Sie diese so transparent wie möglich dazustellen. Argumentieren Sie mehr mit Bildern und weniger mit Zahlen. Wenn der Musikverein beispielsweise jetzt für die Notensätze 30 % mehr zahlen muss, stellen Sie den Stapel der im abgelaufenen Jahr angeschafften Noten auf den Tisch. Dann nehmen Sie ca. 1/3 weg und erklären, dass man für das gleiche Geld in diesem Jahr nur noch so viele Notensätze kaufen kann.

Umgekehrt kann man auch den Erhöhungsbetrag bildlich einfacher kommunizieren. Soll der Beitrag jährlich um 10,00 Euro angehoben werden, legen Sie eine Pizza auf den Tisch, die in zwölf gleiche Teile geschnitten wurde. Halten Sie ein Stück hoch – das ist die Mehrbelastung pro Monat.

Teuerungsrate ist kein Argument

Häufig gehen Vorstandsmitglieder in die Beitragsdebatte und argumentieren über die allgemeine Verteuerung. Die Praxis zeigt aber, dass dieses Argument – so richtig es auch sein mag – bei den meisten Mitgliedern nicht zieht. Die besten Argumente ergeben sich aus dem Angebot des Vereins. Hier sollte man sich nicht scheuen, darauf hinzuweisen, dass die Qualität des Angebotes nicht zuletzt von den Einnahmen und damit verstärkt auch von den Mitgliedsbeiträgen abhängt.

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Foto: © Hartmut Fischer, WortMacht
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Hartmut Fischer ist Inhaber von Wort Macht – Textservice & Ideenschmiede.


Er war Pressesprecher und PR-Leiter eines weltweit agierenden Softwarehauses und ist seit 2005 als ...

Hartmut Fischer
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