Donnerstag, 21.09.2017 | Autor: Prof. Dr. Ronald Wadsack, Foto: © Corbis

Der Verein in der Smart City

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Worum geht´s in diesem Thema
  • Zukunftsfähigkeit des Vereins
  • Vereinsarbeit

Smart City – ein Begriff, der in den letzten Jahren vermehrt als Leitmotiv auftaucht, wenn es um die Gestaltung der zukünftigen Stadt geht. Dies wird damit auch die Vereine und die Vereinsarbeit berühren. Sie leben in einer Stadt und gestalten auf ihre Weise das gesellschaftliche Leben mit. 

 

Auch wenn viele Themen noch in der Entwicklung oder Erprobung sind, es geht voran. Die mit viel Macht vorangetragene digitale Transformation wird auch die Smart City antreiben. Für die Zukunftsfähigkeit der Vereine ist es erforderlich, die damit verbundenen Entwicklungen frühzeitig in den Blick zu nehmen und in geeigneter Form damit umzugehen.

Smart City ist die Leitvorstellung, welche die Kommune der Zukunft ausmachen soll. Es geht im Moment vor allem um Energiefragen, aber auch um die Gestaltung der Verkehrsströme in einer Stadt, die Verschlankung von Verwaltungsvorgängen oder die optimale Nutzung des kommunalen Raumes zur Gestaltung einer lebenswerten Welt für die Bevölkerung. So lässt sich die große Linie vielleicht in einem ersten Anlauf beschreiben. Sie ist eng verbunden mit den Themen der Nachhaltigkeit, die sich auf die ökologische, ökonomische und soziale Gestaltung einer Stadt richten. Die erkennbaren Entwicklungslinien setzen an den gesellschaftlichen Themenstellungen an, die in den letzten Jahren an Brisanz gewonnen haben: Umweltverschmutzung, wirtschaftliche Situation der Kommunen, demografischer Wandel und einige mehr.

Den Schwerpunkt der Themen, die gegenwärtig mit Smart City verbunden werden, sind technologisch ausgerichtet. Nicht umsonst spielen sie mit vielen Themen der Digitalisierung, also dem ausgeweiteten Computereinsatz, zusammen. Ein Beispiel mag ein gerade in Hamburg teilweise erprobtes Thema sein, indem die Parkraumbewirtschaftung optimiert werden soll. Jeder Parkplatz ist so in einem Computersystem erfasst, dass der Status „belegt“ oder „frei“ erkennbar ist. Diese Information kann mit einem entsprechenden Programm durch Autofahrer abgerufen werden, wodurch die Zufallssuche nach einem freien Parkplatz massiv vermindert werden kann. Dies spart unter anderem Pkw-Einsatz und damit schädliche Auswirkungen auf die Umwelt und Zeit für den Parkplatzsuchenden.

Dies ist nur ein Beispiel. Viele weitere Bereiche des städtischen Lebens sind im Blick der Entwickler:

  • Verwaltung und Politik
  • Mobilität und Umwelt
  • Energieversorgung
  • Leben in der Stadt.

Entlang dieser Stichworte zeige ich im folgenden Teil beispielhafte Ansatzpunkte auf, welche für Vereine eine mehr oder minder große Rolle spielen können.

Verwaltung und Politik

Die Vereinfachung und Optimierung der Verwaltungsabläufe ist vermutlich ein Traum vieler Menschen. Zumindest teilweise wird diesem durch die Abwicklung über das Internet Rechnung getragen („eGovernment“). Einzelne Vorgänge lassen sich so zu beliebiger Zeit ohne Besuch im Rathaus erledigen. Dies spart viele Ressourcen bei den Beteiligten.

Die Menschen einer Stadt mehr an deren Entwicklung zu beteiligen ist ein Leitgedanke für diesen Bereich der Smart City. Die transparente Ideensuche und Entscheidungsfindung sind zwei wichtige Aspekte. Dazu dient zum Beispiel der öffentliche Zugang zu kommunalen Daten, soweit sie nicht geschützt werden müssen. Über „Open Data“ oder ein „Transparenzportal“ werden diese Daten für alle Bürger zugänglich gemacht. Einige Städte in Deutschland haben erste Schritte in dieser Richtung unternommen, Hamburg ist damit vielleicht bisher am deutlichsten in Berührung gekommen.

Dies kann für Vereine bedeuten, zum Beispiel im Hinblick auf die Bevölkerung in ihrem Umfeld oder die kommunale Wirtschaft direkten Zugang zu entsprechenden Informationen zu erhalten und in die strategischen Entscheidungen einzubeziehen. Damit können wichtige Anhaltspunkte für die Ausrichtung des Vereinsprogramms und die Mitgliedergewinnung erlangt werden.

Eine zweite wichtige Facette ist die Veränderung der Bürgerbeteiligung durch elektronisch gestützte Medien. Die Einbringung der eigenen Anliegen und Ziele durch die Beteiligung an entsprechenden Diskussionsformaten oder gar die Aktivierung von Vereinsmitgliedern für Abstimmungsprozesse können neue Möglichkeiten für die Vereinsarbeit eröffnen. Bürgerhaushalte, in denen Vorschläge für Einsparungen und Ausgabenverteilungen der Kommune gesammelt werden, sind schon länger in der Praxis anzutreffen. Mittels der elektronischen Partizipation können aber auch viel kleinteiligere Entscheidungsprozesse ohne allzu großen Aufwand auf eine breitere Beteiligungsbasis gestellt werden.

Mobilität, Umwelt und Energieversorgung

Carsharing ist ein Modell, welches hier schnell in den Blick kommt. Die Verminderung von negativen Umweltauswirkungen des Individualverkehrs durch die zeitweise Nutzung eines Autos, ohne es zu besitzen, ist bedenkenswert und wird ja auch in verschiedenen Städten praktiziert. Gepaart mit der Verlagerung auf Elektromobilität kommt diesem Aspekt noch weitere Bedeutung zu. Bei Nutzung von Fahrzeugen für den Vereinsbetrieb ist beispielsweise eine Kooperation mit einem oder mehreren anderen Vereinen eine Option, um zum Beispiel Kleinbusse für Gruppenfahrten von Mitgliedern zur Verfügung zu haben.

Die Ausrichtung von Vereinsangeboten an ÖPNV-Zeiten kann vor allem in strukturschwächeren Gebieten einen Anreiz für die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs und der Vereinsangebote sein.

Bei der Umwelt ist die Energiegewinnung und Energienutzung ein zentrales Thema, vor allem, wenn es um die erneuerbaren Energien geht. Verfügt der Verein über eigene Gebäude oder Flächen, kann sogar über die Energieerzeugung nachgedacht werden, sei es über Solarzellen oder Windkraft. Es werden schon kleinere technische Lösungen als die riesigen Windräder erprobt, die zum Beispiel auf Agrarflächen zu sehen sind.

Leben in der Stadt

Alle bislang angesprochenen Komponenten haben eine Auswirkung auf das Leben in der Stadt. An dieser Stelle sollen Sharing-Modelle noch einmal gesondert angesprochen werden. Es geht um die gemeinsame Nutzung einzelner Geräte oder Einrichtungen. Dorfgemeinschaftshäuser sind eine altbewährte Form, die teils wiederbelebt wird. Es geht darum, eine Investition durch häufige Nutzung möglichst wirkungsvoll zu machen. Dies können auch Pflegegeräte für Vereinsanlagen sein, hochwertige technische Einrichtungen für Veranstaltungen oder ÖPNV-Tickets. Es bedarf einer Koordination der Nutzung und einer Verpflichtung der beteiligten Akteure, sich an getroffene Nutzungsvereinbarungen zu halten. Carsharing oder Fahrradleihe sind schon zwei verbreitete Formen. Dazu gibt es auch geeignete Softwarelösungen, welche vorzugsweise über das Smartphone bedient werden.

Es ist nicht alles Gold ...

..., was glänzt. Mit dieser ganzen Thematik der Smart City ist die Sammlung und Verknüpfung von Informationen verbunden. Wer sagt nicht, dass dann bei der angesprochenen Parkplatzsuche nicht auch der Pkw identifiziert und mit seiner Aufenthaltsdauer verzeichnet wird. Generell kann dann die Datensammlung, wie in anderen Lebensbereichen auch, in Extremfällen ihre Schattenseiten zeigen, wenn die Daten zum Beispiel zur Entwicklung von Sozialprofilen von Menschen oder kleinteiligen städtischen Bereichen genutzt werden.

Die Abhängigkeit von computerisierten Lösungen birgt daneben auch technische Gefahrenpunkte. Welche Auswirkungen hat ein Stromausfall, welche ein Hackerangriff? Weiterhin ist der Einfluss der Technikkonzerne ein Thema, sei es im Hinblick auf das Verdienstinteresse, aber auch im Hinblick auf die Datennutzung, die durch ihre Leitungen fließen.

Ferner ist zu beachten, inwieweit alle Menschen in der Kommune in gleichem Maße von den Entwicklungen profitieren können oder ob Teile der Bevölkerung von der Nutzung ausgeschlossen werden.

Auch hierzu ist es wichtig, als Verein eine Position zu entwickeln, um aus dem eigenen Verständnis heraus mit den kommunalen Entwicklungen umzugehen.

Erstes Fazit für die Vereinsarbeit

Abgesehen von der Aufmerksamkeit für die Entwicklungen in der Lebenswelt des Vereins gilt es vorausschauend Kompetenz in dem Bereich Digitalisierung und Smart City aufzubauen. Dies kann, gerade wegen der Aktualität des Themas, ein sehr attraktiver Tätigkeitsbereich sein.

Wenn entsprechende Optionen im Umfeld des Vereins etabliert werden, ist abzuschätzen, wo welche Beteiligung für den Verein sinnvoll ist. Alleine die kommunale Diskussion um die Einleitung entsprechender Entwicklungsprozesse oder gar das Anstoßen kann da von Bedeutung und für eine Beteiligung des Vereins wichtig sein wird.

Die Information und Unterstützung der Mitglieder bei diesen Veränderungen in der Kommune kann eine weitere Option sein. Informationen über verfügbare Apps zur Nutzung sinnvoller Informationssysteme wäre ein erster Schritt, soweit es den Arbeitsbereich des Vereins betrifft.

Perspektive

Viele der angesprochenen Themen sind mittlerweile in der Entwicklung. Bis sie in die breite Anwendung in den Städten gehen, werden vermutlich noch ein paar Jahre vergehen. Es ist ja auch nicht zu verkennen, dass damit teils immense Investitionen verbunden sind. Ebenso wird nicht jede Stadt die Themen in vollem Umfang angehen oder auch benötigen. Es ist auch noch unklar, wie der Stadt-Land-Unterschied an der Stelle ausfallen wird. Jedoch gilt es aufmerksam zu sein als Verein, um nicht von der Entwicklung im Umfeld der eigenen Kommune abgehängt zu werden.

Akzente einer Beteiligungskultur und der Nachbarschaftshilfe unter Vereinen können neue Möglichkeiten bieten, die Gestaltung der örtlichen Lebenswelt für die Menschen zu verbessern und als Verein eine wichtige Rolle zu spielen.

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Foto: © Online-Redaktion verein-aktuell.de
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Dr. Ronald Wadsack ist Professor für Sportmanagement an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften.

 

Er hält regelmäßige Lehrveranstaltungen, vor allem zu ...

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